Film | The Wesley’s Mysterious File (Hongkong, 2002)

The Wesley's Mysterious FileAndy Lau liebt eine Außerirdische, die gerade die Überreste ihres Bruders einsammelt. Da bekommt man mit The Wesley’s Mysterious File schon mal einen der wenigen Science-Fiction-Filme aus Hongkong vorgesetzt und dann ist ausgerechnet Wong Jing für das Drehbuch verantwortlich! Wie sieht so ein chinesischer Genrebeitrag also aus? Und warum funktioniert der Film nicht, obwohl er Hongkong-Stars, Action und sogar CGI-Monster aufweisen kann?

The Wesley’s Mysterious File
衛斯理之藍血人

Vor rund zehn Jahren habe ich The Wesley’s Mysterious File zum ersten Mal gesehen. Schon damals waren die Kritiken für das Hongkonger Science-Fiction-Spektakel vernichtend, was mich aber nicht davon abgehalten hat, den Film doch noch irgendwie akzeptabel zu finden. Jetzt ist er mir zufällig wieder über den Weg gelaufen und die längst überfällige Rezension wird nun endlich nachgereicht. Und dass The Wesley’s Mysterious File schlecht ist, sehe ich auch endlich ein.

Andy Lau im schwarzen Rollkragenpullover ist Dr. Wesley, der für eine UN-Truppe arbeitet, die Außerirdische überwacht. Da wir uns bereits nach 1997 befinden, soll der Film entsprechend international wirken, weshalb man ihn in San Francisco angesiedelt hat. Das internationale Setting gelingt eingangs auch ganz gut, aber das damit einhergehende schlecht gesprochene Englisch der Chinesen und die furchtbaren amerikanischen Schauspieler machen das Flair gleich wieder zunichte.

Zurück zur Handlung: In einem Kuriositätengeschäft trifft Wesley auf Fong (Rosamund Kwan), die der außerirdischen Rasse der Blue Bloods angehört. Auf der Suche nach ihrem vermeintlich toten Bruder (Samuel Pang) muss sie allerdings auch vor der US-Regierung und außerirdischen Bösewichten (Mark Cheng, Almen Wong) fliehen. Wesley, der sich bald in Fong verliebt, will ihr dabei helfen und gerät dadurch natürlich in Konflikt mit seinen Kollegen (Shu Qi, Roy Cheung).

Klingt soweit zwar nicht sonderlich spektakulär, aber immerhin akzeptabel. Es wurden schon Filme mit weniger/schlechterer Handlung gedreht. An der Ausführung hapert es allerdings gewaltig, so gewaltig gar, dass jeglicher Spaß im Keim erstickt wird. Fatal ist es natürlich, dass eine Handlung fehlt, denn eine solche ist kaum auszumachen. Was steht denn im Mittelpunkt des Films? Monster-Action? Die Liebesgeschichte zwischen Fong und Wesley? Ich weiß es nicht und die Macher offensichtlich auch nicht.

Eine lustlose Aneinanderreihung langweiliger bis grotesker Szenen, ein überflüssiger Cameo-Auftritt von Produzent Wong Jing höchstpersönlich und eine wenig nachvollziehbare Liebesgeschichte (mit absurdem Paarungsakt) machen jedenfalls keinen interessanten Film.

Anscheinend wusste auch keiner der Beteiligten etwas mit dem mäßigen Ausgangsmaterial anzufangen. Regisseur Andrew Lau ist absolut planlos. Dabei wissen wir spätestens seit Infernal Affairs, dass er packende, unterhaltsame Streifen drehen kann. Und die Schauspieler, obwohl mit Andy Lau, Rosamund Kwan und Shu Qi Hongkongs große Namen, wissen auch nicht so recht mit den Situationen umzugehen, in die man sie so wirft. Obendrein sind die Spezialeffekte unter aller Sau. Die grottig animierten Außerirdischen sind zwar für ein veraltetes Computerspiel okay, nicht aber für einen Spielfilm des neuen Jahrtausends.

Fazit

Zum vielleicht ersten Mal wünscht man sich, Wong Jing hätte etwas von seinem fragwürdigen Humor in The Wesley’s Mysterious File gepackt, um dem Film wenigstens diesbezüglich einen gewissen Unterhaltungswert zukommen zu lassen. In seiner vorliegenden Form nimmt sich der Film allerdings viel zu ernst, was in Verbindung der nicht vorhandenen Handlung, fehlender Spannung und seiner Ziellosigkeit zu einem filmischen Albtraum wird. Schade, denn eigentlich hätte der Streifen schon ein paar Elemente gehabt, die mit der richtigen Ausführung immerhin mittelmäßige Unterhaltung garantiert hätten. So bleibt es leider bei einem »mäßig«.

© Shaoshi, 30. Mai 2013
3/10

Und wie gefällt Euch der Film?

衛斯理之藍血人
Hongkong • 2002 • 85 Min. • Science Fiction
Regie | Andrew Lau Wai-Keung
Drehbuch | Wong Jing, Chan Sap-Sam, Kuang Ni
Darsteller | Andy Lau Tak-Wah, Rosamund Kwan Chi-Lam, Shu Qi, Roy Cheung Yiu-Yeung, Almen Wong Pui-Ha, Mark Cheng Ho-Nam, Patrick Lung Kong, Wong Jing, Samuel Pang King-Chi, Reuben Langdon

Cover-Quelle: movie.douban.com

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