Filmkritik | Chaos (Japan, 1999)

ChaosRing-Schöpfer Hideo Nakata kann auch anders. In seinem kleinen Universum ist scheinbar doch nicht nur Platz für abgedroschene Geistergeschichten, sondern auch für eine Verfilmung von Shogo Utanos Roman The Woman Who Wants To Be Kidnapped. Chaos ist also ein Thriller um eine Frau, die ihre eigene Entführung inszeniert. Das Resultat klingt nach Abwechslung, das Ergebnis ist aber leider trotzdem nicht unbedingt besser.

Die junge Saori wendet sich an den Gelegenheitsarbeiter Ebura, der alle ihm angebotenen Aufträge ausführt, selbst wenn es sich, wie in Saoris Fall um eine inszenierte Entführung handelt, mit der Saoris untreuer Ehemann auf die Probe gestellt werden soll. Ebura willigt ein und tüftelt zusammen mit Saori einen wasserdichten Plan aus, um die Entführung so rund und stimmig wie möglich über die Bühne zu bringen. Ebura, der selbst nicht das ist, was er zu Beginn zu sein scheint, findet Saori bald ermordet in ihrem Versteck wieder und erhält per Anruf von einem Erpresser den Auftrag, ihre Leiche im Wald zu vergraben. Bald läuft ihm aber auf der Straße eine Frau über den Weg, die er als Saori zu erkennen glaubt und wir merken, dass hier ein abgekartertes Spiel seine Kreise zieht.

Was ein spannender Thriller hätte werden können, wirkt leider eher wie ein Griff ins Klo. Chaos, eine Geschichte, in der keine Person so unschuldig ist wie sie zunächst scheint, ist mit ihren ständigen Zeitsprüngen und Rückblenden tatsächlich ein einziges Chaos. Leider nicht im positiven Sinne. Wer die mehr als 100 Minuten Laufzeit nicht konstant konzentriert vor der Mattscheibe klebt, wird dem Treiben kaum folgen können. Vor allem als neben Saori noch weitere Frauen ins Geschehen eingeflochten werden, verliert sich die Handlung in sämtliche Richtungen. Wer ist wer? Und wie viele? Und was wollen sie eigentlich alle? Fragen, die den Zuschauer verwirrt zurücklassen können, war er auch nur eine Minute lang unaufmerksam. So viel Konzentration ermüdet auf Dauer, so dass es einem irgendwann egal ist, wer denn nun wer ist und warum überhaupt.

Dabei hätte Chaos durchaus Potential. Es hapert lediglich am handwerklichen Ungeschick des Regisseurs, der die Geschichte trotz aller Zeitsprünge, trotz allem Hin und Her wie geradlinig erzählt darbietet und damit wirklich für perfektes Chaos sorgt. Turbulent wird es im Film, wie man vom Titel her vielleicht vermutet hätte, an keiner Stelle. Auch auf den auf dem DVD-Cover versprochenen »Kokon aus Gewalt, Sadismus und Mord« wartet man vergeblich, obwohl die Kamera hie und da doch mal eine Leiche aufstöbert. Für zusätzliche Langeweile sorgt schon die lasche Inszenierung selbst. Was noch einigermaßen vielversprechend beginnt, wird bald schon ohne Schwung heruntergeleiert, als hätte Hideo Nakata eine gute Idee im Halbschlaf abgedreht und somit alles in den Sand gesetzt. Schade, aber ein so spröde inszenierter Thriller wie Chaos kann einfach nicht fesseln.

Warum Hideo Nakata denn nun als ein so begehrter Regisseur gilt, ist mir nach den Ring-Filmen bzw. diverser anderer mitproduzierter Filme und leider auch nach Chaos immer noch schleierhaft.

© Shaoshi, 5. Januar 2008
3/10

カオス | Kaosu
Japan • 1999 • 103 Min. • FSK 16 • Thriller
Regie | Hideo Nakata
Drehbuch | Hisashi Saito
Darsteller | Masato Hagiwara, Miki Nakatani, Ken Mitsuishi, Kunimura Jun

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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