Filmkritik | Somebody To Love (China, 2011)

Somebody To LoveDatingshows à la Herzblatt erfreuen sich in China zur Zeit einer ziemlich großen Beliebtheit. Das ist schon im Fernsehen unerträglich, weshalb nun auch keiner danach geschrien hat, das Thema in einen Spielfilm zu packen. Da Somebody To Love aber von einem Produktionsteam hinter der Show handelt, habe ich ihn mir nun doch angesehen. Die US-Serie 30 Rock hat ja bewiesen, dass man aus der Arbeit eines TV-Show-Produktionsteams durchaus was Brauchbares machen kann. Selbstverständlich ist solch ein Vergleich viel zu hoch gegriffen. Was mir natürlich schon vorher klar war. Wie extrem ich letztendlich trotzdem von dem chinesischen Film, der angeblich eine Romanze ist, enttäuscht werden sollte, offenbarte sich erst im Laufe des Films. Und da war es schon zu spät.

Nach einem furchtbaren Vorspann mit herumstaksenden Herzen und etwas seltsam ins lateinische Alphabet übertragenen chinesischen Namen lernen wir Jane (Li Feier) kennen, ein naives Mädel, das eben ins Produktionsteam der Datingshow Somebody To Love versetzt worden ist. Die Show ist durch starke Konkurrenz anderer Fernsehsender schon dem Untergang geweiht und soll demnächst ganz eingestellt werden. Es steht nur noch das zum Valentinstag geplante Live-Finale aus, für das sich das Show-Team um Allroundkraft Jane mächtig ins Zeug legt. Angeblich—denn von harter Arbeit des jungen Teams, in dem sich jeder einzelne wie ein unreifer Teenie benimmt, ist im hellen IKEA-Büro mit gelben Panton-Stühlen nichts zu bemerken. Dass hier Fernsehträume ersonnen werden, merkt man übrigens auch nicht. Das gesichtslose, hippe Großraumbüro ist nämlich so nichtssagend, dass unsere Nulpen ohne Weiteres auch für eine dieser modernen New Media- oder Consulting-Agenturen arbeiten könnten, deren Tätigkeit vielen suspekt bleibt. Jane jedenfalls wird dazu verdonnert, sich um die Gäste dieser letzten Show zu kümmern und soll mit allen Mitteln den Jungunternehmer Lu Jiasen (Wang Bo-Chieh) einladen, seineszeichens der derzeit heißeste, da reicher, Junggeselle der Stadt—welche sich trotz gefakter Nummernschilder an zahlreichen Porsches und nervtötend austauschbarer Kulissen als »iPod-City« Shenzhen entpuppt. Diesen tollen Typen zu überzeugen gilt als praktisch auswegsloses Unterfangen. Angeblich—denn nach einem spannungsarmen Dialog der Marke »Willst du nicht in unserer Show auftreten?« – »Okay.« ist alles wieder in Butter. Interessieren tut das in den Produktionshallen der TV-Show aber offensichtlich niemanden.

Die nächsten Tage verbringt Jane viel Zeit mit Jiasen und kommt ihm dabei näher. Angeblich—denn außer ein paar rudimentären Auszügen aus ihrem Beisammensein, bei dem Jane den 27-jährigen Firmenchef mit der Kamera begleitet, um für die Datingshow diverse Einspieler von ihm zu haben, gibt es kaum etwas zu sehen. Dass es zwischen den beiden knistert, ist weder nachvollziehbar, noch irgendwie angedeutet. Ganz zu schweigen davon, dass zwischen den absolut uninteressanten, da charakterlosen Figuren kein bisschen Chemie entsteht. Trotzdem heißt es zuletzt »ich liebe dich«, nur etwas dümmlicher formuliert. Währenddessen hat Janes Arbeitskollege (Wang Sengui) offensichtlich zu viel Freizeit, denn er ist mit der sichtlich unterbeschäftigten Popsängerin Shasha (Cao Yuan) liiert, der er ständig hinterhersteigt. Da ihre Liebe geheim gehalten wird, wäre es doch eine furchtbar romantische Geste, wenn Shasha in der Datingshow auftreten und somit den Valentinstag—wenn auch nur indirekt—mit ihrem Liebsten verbringen könnte. Als man unserem Showteam vorzeitig das Fernsehstudio wegnimmt und das Equipment vorenthält, setzen Jane und ihr Kollege durch privaten Ansporn also alles daran, dass die Datingshow zum Valentinstag doch noch ein Erfolg wird. Angeblich—denn außer ein bisschen Blabla und fünf Sekunden Bühnenaufbau im Hinterhof bekommt man von den stressigen Vorbereitungen kein bisschen mit. Auch die Produzentin der Datingshow, Shengrong (Li Weiwei), scheint bei all dem nur eine untergeordnete Rolle zu spielen. Privat vollzieht sie gerade eine Scheidung und den Auszug aus ihrer Traumvilla und muss in regnerischen Nächten offensichtlich in ihrem Auto übernachten. Macht sie das zu einem interessanten Charakter? Nein, denn außer ernst gucken scheint sie keinerlei Eigenschaften zu besitzen. Was für ein Glück, dass Somebody To Love mit noch mehr Protagonisten aufwarten kann! Jane wohnt nämlich mit ihrer Cousine Gujia (Annie Wu) zusammen und die liebt irgendwie den professionellen Klavierspieler Gaofan (Dennis Oh), für den sie sich sklavisch in seinem Junggesellenhaushalt abrackert. Ob das ihre Zukunft werden soll, weiß sie selbst noch nicht so genau, weshalb also rudimentär angedeutetes Drama vorprogrammiert ist. Dass Gaofan ebenfalls den Verhaltenshorizont eines unreifen Teenies an den Tag legt, ist klar, und so verkommt der seriöse Pianist ebenfalls zur absolut naiven Figur, wenn er zuletzt auf seiner eigenen Bühne steht und seinem gleichgültigen Publikum verkündet, er müsse mal eben weg, um einem Flugzeug hinterherzuhechten. Ach ja, mit der Datingshow hat das nun zwar rein gar nichts zu tun, aber es ist so langweilig zu verfolgen und so banal inszeniert, dass es einfach perfekt in den Film passt.

Da Somebody To Love ganz offensichtlich ein extrem geringes Budget zur Verfügung hatte (und außer ein, zwei plump angepriesenen Werbepartnern scheint man keine gehabt zu haben), ist klar, dass man keinen Blockbuster erwarten darf. Das ist ja auch legitim, aber so gleichgültig und blass wie man uns die vorliegende Romanze serviert, ist eine Frechheit. All das unaufgeregte Spektakel scheint auf den Höhepunkt der letzten Sendung hinauszulaufen, der dann allerdings ausbleibt. Das heißt, die letzte Live-Show findet schon statt, nur des geringen Budgets wegen dann doch lieber im Off. Und was man im Film sonst bildlich darstellen könnte, wird zerredet, angedeutet oder übersprungen, nur um nicht auf ein teures, gut ausgearbeitetes Script angewiesen zu sein.

Extrem ärgerlich ist auch die Naivität, mit der man in Somebody To Love mal wieder herangeht. Taiwan-Serien sind diesbezüglich ja schon oft schlimm, aber die chinesische Romanze fährt noch einmal ganz andere Geschütze auf. Das Team hinter Somebody To Love scheint offenbar keine Ahnung vom eigenen Gewerbe zu haben und so wirkt einfach alles im Film unglaublich unreif und unprofessionell—als hätte ein Fünfzehnjähriger das Script geschrieben und seine eigenen Vermutungen zur Produktion einer TV-Show beigesteuert, die dann für bare Münze genommen werden! Schlimm auch, dass sämtliche Figuren unglaublich blass bleiben und von den Darstellern ebenso gleichgültig verkörpert werden. Hatte denn wirklich überhaupt niemand Lust auf diesen Film? Und warum soll ihn dann ein Zuschauer mit Freude sehen? Eben!

Somebody To Love wird zur herben Enttäuschung. Nicht einmal im Ansatz erreicht er das Mindestsoll eines irgendwie noch erträglichen Films. Er ist nicht lustig, nicht romantisch, nicht spannend, nicht interessant, ja noch nicht einmal marginal unterhaltsam. Lange ist es her, dass ich einen so durch und durch banalen, gleichgültigen und langweiligen Film gesehen habe wie Somebody To Love.

© Shaoshi, 17. Februar 2012
1/10

我们约会吧 | Women Yuehui Ba
China • 2011 • 92 Min. • Romanze
Alternativtitel | Let’s Meet; Just For You
Regie | Zhou Nan
Drehbuch | Guo Jingming
Darsteller | Dennis Oh, Annie Wu, Wang Bo-Chieh, He Jiong, Li Feier, Liu Weiwei, Cao Yuan, Wang Sengui, Hei Long, Ren Zhong, Ma Jingwu, Chen Xiang, Wu Tingye, Tian Qiwen, Zhu Mimi, Feng Mianheng

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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