Filmkritik | Lucky Dog (China, 2013)

37°C und Klimaanlagengrippe – ich entschuldige mich jetzt schon mal für die schlechte Qualität meiner Rezension. Passt aber immerhin zur Qualität des Films …

Lucky DogIm April dieses Jahres im Kino, üble Kritiken, schon zwei Monate später verramscht: Diesen Weg gehen viele chinesische Filme in ihrer Heimat. Schuld sind die Filmemacher selbst. Ein bisschen kreativ sein reicht noch nicht – man muss die Ideen auch sinnvoll und ansprechend verpacken. Bei Lucky Dog ist das wieder mal nicht gelungen. 3D-Effekte allein sprechen eben noch nicht für Qualität.

Der als Komödie ausgewiesene Film basiert auf dem Roman The Stone Age von Han Mengze und handelt von dem Privatdetektiv Li Lin (Hayama Go), der sich auf das Suchen kleiner Hunde spezialisiert hat. Dann bekommt er einen neuen Auftrag: Der Chef einer Softwarefirma ist in seiner eigenen virtuellen Steinzeit verschwunden. Li Lin soll ihn suchen gehen.

Klingt verrückt und ist es im Ansatz auch. Gerade der Anfang, der noch in Peking spielt, zeichnet sich durchaus durch kreative Spielereien aus. Da kreisen riesige CGI-Adler über den Wolkenkratzern, Li Lin wächst eine Kuckucksuhr aus dem Hinterkopf und gewisse Gegebenheiten werden im Comicstil verdeutlicht. Auch die Idee einer virtuellen Welt ist so noch ganz interessant. Woran es hapert? Wieder mal an der Ausführung, denn die ist fast schon aggressionsfördernd lasch. Der Regie fehlt es so dermaßen an Drive, dass sogar die gelungeneren Witzchen (der Kiosküberfall) spurlos an einem vorüberziehen.

Befindet man sich dann erst mal in der Steinzeit, ist es ganz vorbei. Die Idee, dass sich Li Lin durch gefundene Gegenstände ausrüsten und damit HP+1-Punkte sammeln kann, ist ja irgendwie noch ganz drollig. Das war’s dann aber auch schon. Wie Li Lin auf seiner Mission schnell feststellt, kommt er nämlich gar nicht zur Suche nach dem Firmenchef, da er zum Überleben pausenlos mit der Nahrungsbeschaffung beschäftigt ist. Wenig interessant für den Zuschauer also – da hilft es auch nicht, wenn man die Hasenjagd mal in Oldschool-Computergrafiken darstellt. Um wenigstens ein bisschen in der virtuellen Welt interagieren zu können, trifft Li Lin bald auf die illegal ins Programm eingedrungene Bian Xiaocha (Huang Lu), die ihre Funktionskleidung gegen Steinzeitfetzen tauscht und nicht mehr von Li Lins Seite weicht, sowie den alten Lao Zhao (Bryan Leung), der sich eine Hütte gebaut hat. Ich brauche wohl nicht extra erwähnen, dass es sich bei sämtlichen Figuren um absolut blasse Personen handelt, die noch nicht einmal in irgendwelche Klischeeschablonen gepresst werden, sondern wie austauschbare Statisten wirken. Handlung und Spannung ist außerdem gleich Null. Humor? Zwar vorhanden, aber grottenschlecht pointiert. Zudem habe ich mich gefragt, warum der kapuzentragende Jesusverschnitt mit Bruce-Lee-Zitaten um sich wirft und ob die Häschenbonbons irgendeine Anspielung auf »folge dem weißen Kaninchen« in Matrix oder doch nur übelst penetrantes Product Placement sein sollen.

Ein Happy End ist garantiert, wenn die VIP-Besucher der Steinzeit doch nicht für immer bleiben wollen und man gemeinsam nach einer Fluchtmöglichkeit sucht. Eine Moral ist da auch noch irgendwie dazwischen gepackt, aber der verhaltene Ruf nach Freiheit geht allerhöchstens als Binsenweisheit durch und alles andere verschwindet in der teils kryptischen Regie.

Lucky Dog ist eine so ziellose wie wenig pointierte Komödie, die sich als Metapher für irgendetwas Größeres zu verstehen scheint. Dank der uninspirierten Regie, schlechten Computertricks und einer praktisch nicht vorhandenen Handlung geht die Kreativität, die ich den Machern nicht abstreiten will, gehörig in die Hose. Vielleicht habe ich zweimal geschmunzelt, mehrmals wegen Fäkalwitzen die Augen verdreht und oft einfach nur »hä?« geseufzt. Hauptsächlich habe ich mich aber gelangweilt und mich spätestens beim Abspann gefragt, was ich da eigentlich gerade gesehen habe. Ich bin mir immer noch nicht sicher.

© Shaoshi, 17. Juni 2013
2/10

石器时代 | Shi Qi Shi Dai
China • 2013 • 84 Min. • Komödie
Alternativtitel | Stone Age
Regie | Wang Song
Drehbuch | Wang Song, Sun Weiwei
Darsteller | Hayama Go, Huang Lu, Bryan Leung Ka-Yan, Gong Beibi, Jia Wei, Xu Pengkai

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

Advertisements

Ein Gedanke zu “Filmkritik | Lucky Dog (China, 2013)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s