Filmkritik | Game Over – Gefährliche Spiele (Hongkong, 2000)

Game OverFür Peter (Aaron Kwok) ist das ganze Leben ein Spiel—als er Zeuge des Mords an seinem Bruder Greg (Ray Lui) wird, wird es sogar zu einem ziemlich gefährlichen. Fortan heften sich nämlich nicht nur die Hongkonger Polizei, das CIA und ein Special Agent aus Singapur an seine Fersen, sondern auch noch ein Haufen Gangster, die das Computerprogramm haben wollen, das Greg gestohlen hat. Als Gregs mysteriöse Verlobte Selina (Phyllis Quek) auftaucht, geht die Reise zu einem Schließfach nach Singapur und Peter, der die Weste seines toten Bruders reinwaschen und nebenbei einen weltweiten Computercrash verhindern will, spielt mit seinem ebenso computersüchtigen Kumpel Benny (Daniel Wu) und seiner mehr als überflüssigen Freundin Janet (Gigi Choi) im Schlepptau den Helden.

Obwohl Game Over den gesamten Film über, aber ganz besonders am Anfang, mit einigen Längen zu kämpfen hat, bleibt doch ein konstanter Spannungsbogen aufrecht erhalten—der teilweise etwas künstlich provoziert wirkt, etwa, wenn man meint, dass es Peter schaden würde, wüsste er jetzt schon alles. So müssen sich Peter und seine Freunde selbst durch das Rätsel kämpfen. Die erste Hälfte des Films erleben wir also die Wandlung von Peter, wie er vom unbedarften Nichtsnutz zum Helden mutiert, während er immer tiefer ins Schlamassel gezogen wird und dabei immer noch menschlich bleibt. Aaron Kwok spielt seine Rolle recht eindringlich, obwohl er (anfangs) nicht viel mehr macht als laut zu schnaufen und die Augen aufzureißen, wenn er in eine brenzlige Situation gerät. Daniel Wu verblasst dabei in seiner unsinnigen Nebenrolle völlig. Auch die restliche Darstellerriege ist wenig erwähnenswert, was auch für Francis Ng gilt, der in seiner befristeten Rolle als Kopf eines Polizeiteams sein Potential nicht richtig ausleben kann.

In der ersten Hälfte ist Game Over durchaus eindringlich und spannend und wartet mit einigen relativ harten Actionszenen auf wie einer Schießerei in einem Parkhaus, dem Anschlag auf Peters Bruder oder einer handfesten Schlägerei zwischen Peter und einem Gangster. Nicht umsonst rennt Aaron Kwok ständig mit irgendwelchen Pflastern im Gesicht durch die Gegend. Da fällt eigentlich auch kaum negativ ins Gewicht, dass die Riege der Bösen durchwegs die üblichen Stereotypen sind.

Als die Reise dann jedoch nach Singapur geht, spult Regisseur Gordon Chan den Rest seines Films zunehmend lustloser herunter. Eine Verfolgungsjagd inklusive gestohlenem Polizeiwagen ist zwar ganz gut inszeniert, doch die unpassend gewählte bzw. völlig fehlende Filmmusik nimmt der Szene an Fahrt (was leider auch für viele andere turbulente Momente in Game Over gilt). Mit dem absolut uninspirierten Finale samt Geiselnahme im singapurschen Convention Center kann der Film bei mir überhaupt nicht punkten. Ich habe gehofft, das dicke Ende würde noch kommen—Fehlanzeige! Nach wenigen Minuten ist alles vorbei und das unverschämt unspektakulär.

Game Over ist ohne Frage Durchschnitt, jedoch trotz einiger Schwächen besser als erwartet. Wie es sich für einen Actionthriller gehört, bekommt man Schießereien, Autoverfolgungsjagden und handfeste Schlägereien zu sehen. Das ist zwar handwerklich nicht immer einwandfrei, aber kann die meiste Zeit ganz gut unterhalten. Schade ist es nur um das lieblose Ende. Wer Hongkongs Pretty Boy Aaron Kwok mag, darf bedenkenlos zugreifen, wer auf Action steht, eigentlich auch.

© Shaoshi, 15. Dezember 2008
6/10

公元2000 | Gongyuan 2000 Nian
Hongkong • 2000 • 104 Min. • FSK 16 • Actionthriller
Alternativtitel | 2000 A.D.
Regie | Gordon Chan Kar-Seung
Darsteller | Aaron Kwok Fu-Shing, Phyllis Quek, James Lye, Daniel Wu Yin-Cho, Gigi Choi, Andrew Lin Hoi, Ray Lui Leung-Wai, Francis Ng Chun-Yu, Ken Lo Wai-Kwong, Yu Beng Lim, Wenyong Huang, Cynthia Koh

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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