Filmkritik | The Quiet Family (Südkorea, 1998)

The Quiet FamilyRegisseur Kim Jee-Woon, der uns vor einigen Jahren mit A Tale Of Two Sisters das Fürchten lehrte, legte sich auch schon bei seinem Erstlingswerk The Quiet Family mächtig ins Zeug—hier allerdings eher in Form einer schwarzen Komödie.

Die Familie Kang (u.a. Park In-Hwan, Nah Moon-Hee, Choi Min-Sik, Song Kang-Ho) hat eine Herberge in den Bergen eröffnet. Doch die Geschäfte laufen schlecht. Als sich dann endlich ein Gast bei ihnen einquartiert, hält die Freude der gelangweilten Familienmitglieder nicht lange an. Denn der Gast begeht über Nacht Selbstmord. Aus Angst, einen guten Ruf zu verlieren oder am Ende selbst noch als die Verdächtigen dazustehen, vergräbt man die Leiche lieber im Wald—was nur den Anfang einer ganzen Reihe an Todesfällen darstellt, die in der Herberge noch passieren sollen.

Mit zynischer Grundhaltung inszenierte Kim Jee-Woon eine Komödie, die eher durch leisen und logischerweise auch mal makabrem Humor unterhält. Jede Entscheidung der Familie Kang den Tod eines Gastes zu vertuschen provoziert so nämlich schon wieder die nächste Leiche. Dabei hätte es aber gerne etwas verrückter zur Sache gehen dürfen, denn insgesamt ist The Quiet Family ganz dem Titel gemäß recht ruhig geraten. Das wiederum zeigt aber schön die Einsamkeit der Kangs, was sich auch wiederspiegelt, wenn die Geschwister etwa den ganzen Nachmittag vor dem Fernseher herumlungern. Natürlich ist das nur die Ruhe vor dem Sturm, denn am Ende erleiden auch die Hauptfiguren selbst den ein oder anderen Schaden durch ihre Lügen und Verschwiegenheit. Leider gilt auch für das Ende, dass Kim Jee-Woon es ruhig ein wenig boshafter hätte gestalten können, anstatt den Film so kryptisch und vor allem mit unpassendem Lied zu den eingeblendeten Credits enden zu lassen.

Die einzelnen Familienmitglieder sind zwar nicht allzu aufregend porträtiert, tragen aber hervorragend zur düsteren Grundstimmung von The Quiet Family bei. Dabei steht »Oldboy« Choi Min-Sik als Onkel mit Gewissen eher auf der vernünftigen Seite, während Song Kang-Ho (mal wieder) den eher unterbelichteten, großspurigen Bruder spielen darf, der in der Szene im Wald, als es darum geht, den potentiellen Vergewaltiger seiner Schwester zu verprügeln, doch etwas zu krass dargestellt ist.

Insgesamt bietet The Quiet Family gute Unterhaltung mit einer kleinen, aber feinen makaberen Story, die neben trockenem Humor auch mal Blut und blasse Leichen zeigt und die Sache nie ganz ernst nimmt. Ein leiser Spannungsbogen hält die Geschichte schön zusammen, die leider mit einem etwas flachen Ende aufhört. Sicher erreicht The Quiet Family weder inhaltlich noch optisch die Klasse des fünf Jahre später entstandenen A Tale Of Two Sisters, überzeugt aber auch ohne Gruseleffekte oder komplizierte Handlung. Das Remake The Happiness Of The Katakuris von Japans Kultregisseur Takashi Miike ist wahrscheinlich um einiges makaberer ausgefallen, doch wer auf schwarzhumorige Bösartigkeiten steht, kommt auch bei The Quiet Family perfekt auf seine Kosten.

© Shaoshi, 17. März 2009
7/10

조용한 가족 | Choyongham Kajok
Südkorea • 1998 • 98 Min. • FSK 16 • Schwarze Komödie
Regie | Kim Jee-Woon
Darsteller | Park In-Hwan, Nah Moon-Hee, Choi Min-Sik, Song Kang-Ho, Lee Yoon-Seong, Ko Ho-Kyeong, Ji Soo-Won, Lee Ki-Young, Ki Joo-Bong, Jeong Jae-Yeong, Choi Cheol-Ho, Yoo Hyeong-Kwan

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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