Filmkritik | Just Follow Law (Singapur, 2007)

Pflaumenblütenregen – was so poetisch klingt, bedeutet nichts anderes, als dass es tagelang wie aus Eimern schüttet. Wenn man dann auch noch ein paar freie Tage hat, bleibt einem ja fast nichts anderes übrig als sich wieder vermehrt Filmen zu widmen. In nächster Zeit werden also einige nagelneue Rezensionen folgen. Hier aber erst noch was Aufgewärmtes:

Just Follow LawSingapur, Staat der unbegrenzten Gesetze und Regeln, ist nicht nur Kulisse für die Satire Just Follow Law sondern auch gleich noch das zentrale Thema. Denn der Film nimmt mit lockerem Erzählstil all das aufs Korn, wofür Singapur bekannt ist—alberne Gesetze, die es Schwarz auf Weiß nachzulesen gibt, unnötig verkomplizierter Papierkrieg, eine Bevölkerung, die sich am liebsten strikt an die Regeln hält, aus Angst sonst bestraft zu werden, und eine Hierarchie in der Arbeitswelt, die niemals durchbrochen werden kann.

Als Leitfiguren treten hier der einfache Techniker und alleinerziehende Vater Lim Teng Zui (Gurmit Singh) und die Karrierefrau und harsche Abteilungsleiterin Tanya Chew (Fann Wong) auf den Plan, die miteinander auf Kriegsfuß stehen. Als bei einem Autounfall ihre Seelen in den jeweils anderen Körper wandern, lernen sie endlich zu verstehen, welche Rolle der andere in der Gesellschaft bzw. im Arbeitsalltag tatsächlich spielt. Die Bosse sind natürlich nicht sonderlich angetan von dem frischen inkompetenten Wind, den Tanya dank Teng Zuis Geist in ihre Firma bringt. Sie beschließen deshalb, Tanyas Stelle zu streichen, was Tanya und Teng Zui gemeinsam verhindern wollen. Die großangelegte Jobmesse, die von ihrer Firma ausgerichtet werden soll, scheint hierfür mehr als geeignet—was die obersten Bosse wiederum ganz anders sehen.

Nach lässiger Charaktereinführung beginnt Just Follow Law wie eine Büro-Komödie à la The Office oder Stromberg. Festgefahrene Hierarchien definieren genau, wer zu entscheiden und wer zu gehorchen hat—und wird ein Fehler gemacht, will es hinterher niemand gewesen sein. Am allerwenigsten der Chef. Die überspitzt gezeichnete Entrümpelungsaktion eines vollgemüllten Großraumbüros und die anschließende Deponierung des ganzen Plunders auf dem Parkplatz, weil hoher Besuch vom Minister ansteht, ist wunderbar anzusehen—noch viel mehr, als man das Chaos hinter schön angestrichenen Holzwänden zu verbergen sucht. Wer hat erlaubt zu streichen? Wer hat angeordnet, den Krempel auf dem Parkplatz zu deponieren? Und was tun, wenn einem mitten drin die Nägel ausgehen?

Nach einiger Zeit mutiert das Ganze dann zeitweise zur Bodyswitch-Komödie. Mann gefangen im Körper einer Frau und Frau gefangen im Körper eines Mannes—das Thema ist ja an sich nicht neu und wird hier rein der Form halber abgehandelt, da der Schwerpunkt definitiv auf etwas anderem liegt. Trotzdem ist das Treiben lustig mitanzusehen. Bald schon verwandelt sich Just Follow Law glücklicherweise zurück zur Satire rund ums System, das trotz ausgefeilter Gesetze ziemlich hinkt. Wie zynisch ist es da, dass Lim Teng Zuis Tochter ausgerechnet dann in einen Unfall verwickelt wird, als sie sich an das Gesetz hält und bei Rot nicht über die Straße geht. Und steht ein Gesetz oder eine Regel nicht irgendwo zum Nachlesen bereit, weiß plötzlich keiner mehr, was zu tun ist. Wie weit darf man gehen, wenn man improvisieren will? Ist es denn nun okay, wenn ein Feuerwehrauto bei einem Einsatz auf den VIP-Parkplätzen hält, die nur für bestimmte Gäste vorgesehen sind, oder nicht? Und wen kann man zur Not verantwortlich machen? Und wer ist denn überhaupt für irgendetwas verantwortlich? Kein Wunder, dass der sympathische, indische Sicherheitsbeauftragte der Firma zum Schluss lamentiert: »Wenn ich das Gesetz breche, werde ich geschimpft. Wenn ich mich ans Gesetz halte, werde ich auch geschimpft. Am besten gehe ich nach Indien zurück!« Und das alles auf Englisch mit niedlichem Akzent—wie übrigens alle, die im Film Englisch sprechen.

Obwohl Just Follow Law in einer Tour Kritik übt (und sich dabei leider des Öfteren mal wiederholt), ist der Film mit frechem bis schwarzem Humor überaus sympathisch und witzig geworden. Mit den Figuren und den Situationen in der Arbeit kann sich wohl ein jeder Bürger einer Industrienation identifizieren, egal, ob man nun um Mitternacht vor der Bank herumlungern muss, weil in einer Minute der Tag anbricht, an dem man wieder ein Gehalt bezahlt bekommt oder ob man sich einen flachen Breitbildfernseher in die Luxuswohnung stellt.

Das Fazit und die somit dargereichte Aussage des Films mag für uns ein wenig gekünstelt wirken, trifft für singapurische Verhältnisse aber genau den Kern: Regeln dürfen auch mal gebrochen werden. Solange man es im richtigen Moment tut. Leider wirkt das Werk des Kultfilmers Jack Neo im Vergleich nicht so rund wie das noch um einiges besser gelungene I Not Stupid. Trotzdem ist Just Follow Law eine Empfehlung wert, trifft es doch auf äußerst unterhaltsame und amüsante Weise den (nicht nur singapurschen) Puls der Zeit.

© Shaoshi, 21. Januar 2008
7/10

我在政府部门的日子 | Wo Zai Zheng Fu Bu Men De Ri Zi
Singapur • 2007 • 111 Min • Komödie
Regie | Jack Neo
Drehbuch | Jack Neo
Darsteller | Fann Wong, Gurmit Singh, Samuel Chong, Kay Siu Lim, Moses Lim, Jack Neo, Lina Ng, Selena Tan, Henry Thia, Changcou Yun

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s