Filmkritik | Fish’s Tear (China, 2007)

Fish’s TearEin Detektiv (Fan Shanghong), der einen Mann mit seiner Geliebten beschatten soll. Eine Studienabbrecherin (Jiang Yiyan) die bei ihm Klavier spielen darf, wenn sie ihm im Gegenzug aus ihrem Leben erzählt. Eine unbekannte Schöne im roten Wintermantel, die regelmäßig in einer öffentlichen Telefonzelle eine Nummer wählt, die gar nicht existiert. Ein Typ auf der Suche nach einem blauen Fisch aus seinem Traum, um sich über seine Liebe klar zu werden.

Das ist der Stoff, aus dem gute Großstadtballaden gemacht werden. Als Low-Budget-Produktion wirken solche Geschichten meist sogar noch authentischer. Von daher ist die Ausgangslage von Fish’s Tear schon mal ganz gut. Die Suche nach dem blauen Fisch wirkt mystisch, ebenso die Frau im roten Mantel. Die Figuren sind einsam genug, um verrückte Dinge zu tun – etwa mit einem Fremden nach Hause zu gehen, um bei diesem Klavier spielen zu können, oder Fische einzeln in verschiedenen Behältern zu halten, um die eigene Einsamkeit zu unterstreichen. Die Figuren bleiben zum Großteil verschlossen und geben einander und auch dem Zuschauer gerade so viel von sich preis, dass man meint, sie langsam kennen zu lernen, obwohl man immer noch nichts über sie weiß. Anonymität der Großstadt, ni hao! Das winterliche Setting passt da genauso ins triste Gesamtbild wie die ruhige, behäbige Erzählweise.

Leider ist Liu Yunsongs Ausführung etwas zu amateurhaft geraten. Das Wenige an Plot ist sprunghaft und rudimentär erzählt. Schön ist es auch nicht immer. Ich habe in einem Film beispielsweise noch niemanden so unästhetisch Klavier spielen sehen wie hier. Noch dazu stimmen die Fingerbewegungen und die Klänge nicht punktgenau überein, was irritiert. Ein bisschen kreativer hätte man in der Musikwahl außerdem sein können, werden hier doch mit die bekanntesten Klavierstücke überhaupt verwurstet – irgendwie langweilig, wo es doch einen fast unerschöpflichen Fundus an Klaviermusik gibt. Obendrein sind die Figuren optisch schwer zu unterscheiden, so dass es manchmal nicht ganz leicht ist, der Geschichte folgen zu können. Eigentlich müsste man den Film ein zweites Mal sehen, um ihn in seiner Gänze zu erfassen. Nur will man das? Für mich ist Fish’s Tear nicht gerade ein Werk, das zum mehrmaligen Sehen anregt.

Fish’s Tear ist ein offensichtliches Low-Budget-Liebesdrama aus dem Jahre 2007, das sich anfühlt wie 1998. Obwohl die Geschichte im Kern ganz interessant ist, macht es die amateurhafte Inszenierung etwas schwer, Zugang zu finden. Die Tristesse der chinesischen Städte wird allerdings wirkungsvoll eingefangen. Wer unbekanntes Independent-Kino mag, kann mal reinschauen.

© Shaoshi, 25. Juni 2013
5/10

鱼不在水里 | Yu Bu Zai Shui Li
China • 2007 • 85 Min • Liebesdrama
Regie | Liu Yunsong
Drehbuch | Liu Yunsong, Moon
Darsteller | Fan Shanghong, Jiang Yiyan, Hou Jidong, Zhang Yang, Yu Xiaolei, Zheng Chuli, Zhao Jia, Yao Zhuoran, Shan Ying, Xiao Zhenxu, Wang Kunlin, Hu Jun, Suo Li

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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2 Gedanken zu “Filmkritik | Fish’s Tear (China, 2007)

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