Filmkritik | The Call Of Maiji Mountain (China, 2011)

The Call Of Maiji Mountain»Dieser Film soll allen fleißigen und ehrlichen Schülern aus den Bergregionen sowie allen Lehrern, die sich dem Unterricht in Westchina verschrieben haben, präsentiert werden.« So steht es im Vorspann von The Call Of Maiji Mountain. Ein Film als Dankeschön an alle, die erkannt haben, dass auch die Menschen in den armen Regionen Chinas ein Recht auf Bildung haben. Ein Mutmachen für die Kinder, die in ihren Dorfschulen kaum Aussicht auf eine gute Ausbildung haben. Aber irgendwie auch ein extrem optimistischer Propagandafilm mit schalem Nachgeschmack. Kann man so etwas überhaupt ernst nehmen? Vielleicht sollte man The Call Of Maiji Mountain auch einfach als das sehen: Einen etwas zu idyllischen Kinderfilm, der erfreulicherweise mal nicht in den inzwischen so abgegriffen wirkenden Metropolen Chinas spielt, sondern in einem abgelegenen Dorf.

Congcong ist die einzige Lehrerin in einem Dorf in der Provinz Gansu. Nach ihrem Studium in Tianjin hat sie sich dazu entschlossen, in die Heimat zurückzukehren, um den Kindern hier eine Schulbildung zu ermöglichen. Händeringend sucht die Grundschule nach weiteren Lehrern, doch alle, die es hier her verschlägt, hält es nicht lange an diesem ach so abgelegenen Ort. Dann kommt der junge, engagierte Lehrer Gao ins Dorf, der glaubt, mit seinen Unterrichtsmethoden Großes bewirken zu können. Auf Seiten der Schüler begleiten wir hauptsächlich Gouwa und seinen Freund Chengwa. Gouwas Mutter ist krank und braucht dringend eine Operation. Weil die Familie das Geld nicht aufbringen kann, schickt der Vater den kleinen Gouwa zum Arbeiten. Auch Chengwa schwänzt gern freiwillig die Schule, um seinem Freund zu helfen. Die Lehrer sehen das nicht gern, aber wie sie helfen können, wissen sie selbst nicht. Denn hier reicht jedem das Geld gerade so fürs Nötigste.

The Call Of Maiji Mountain wirkt in der Darstellung des täglichen Lebens relativ realistisch und wird für uns dadurch interessant. Interessant auch der Berg Maiji selbst, der mit seinen eingravierten Buddhastatuen Touristenattraktion Nr. 1 der Gegend ist. Ob der als Werbung für die Region gedacht war? Immerhin nimmt der Berg im Film eine wichtige Stellung ein, als Ort, an dem noch keines der Kinder gewesen ist, der für Lehrer Gao aber als so erstrebenswertes Ausflugsziel gilt?

Der Humor ist kindgerecht simpel, aber nicht primitiv. Stattdessen fügt er sich ganz gut ins idyllische Gesamtbild des Films. Die Figuren sind nett porträtiert, so dass einem das Schicksal von Gouwas Mutter durchaus nahegeht. Die Kinder agieren im Rahmen ihrer Möglichkeiten, die Erwachsenen spielen größtenteils hölzern. Positiv hervorzuheben ist außerdem, dass die Kinder nicht nerven. Sie sind keine coolen, altklugen Bälger, die ach so witzige Streiche spielen, sondern einfach Kinder, manchmal ein bisschen frech, meistens aber brav und mit ihrer Situation sowieso überfordert.

Beim Schicksal der Dorfbewohner wird allerdings etwas arg aufgetragen: Die klischeehafte kranke Mutter, die Kinder mit ihrem Herzen am rechten Fleck, der primitive Bauerntölpel, der ständig eins auf die Mütze bekommt, aber im Inneren ebenso herzensgut ist, das ständige Lamentieren, wie abgelegen das Dorf doch ist, das viel zu optimistische Geschwafel der hingebungsvollen Lehrer – das alles kann einem zu viel werden. Trotz aller Probleme bleibt die Grundstimmung stets zu positiv und die tränenreiche Rede unter der Nationalflagge, was denn einen guten Schüler ausmache, verstört in ihrer doofen Phrasendrescherei.

Als reiner Kinderfilm ist The Call Of Maiji Mountain in Ordnung – wir haben etwas Humor, ein bisschen Dramatik und sympathische Figuren. Außerdem werden den Kindern an sich gute Werte nähergebracht. Als ernsthafter Erwachsener verlangt man aber vermutlich nach mehr als geheucheltem Optimismus, Kitsch und schönen Bildern in ländlichem Idyll. Eine zwiespältige Sache also.

© Shaoshi, 25. Juni 2013
4/10

麦积山的呼唤 | Mai Ji Shan De Hu Huan
China • 2011 • 89 Min • Drama
Regie | Lee Jialun
Drehbuch | Lee Jialun, Cho Sin
Darsteller | Li Qi, Hu Jingyi, Xiang Rikui, Han Huiliang, Zhan Liguo, Wang Xinliang, Guo Zaliang, Niu Dan, Hu Keyu, Huang Shaoquan, Han Heping, Peng Lin Yu Guoqiang

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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