Filmkritik | Esprit d’Amour (Hongkong, 1983)

Esprit d'AmourRingo Lams Regie-Erstling Esprit d’Amour hat noch nichts mit der knochentrockenen Action zu tun, mit der er ab Prison On Fire und City On Fire (beide 1987) bekannt werden sollte. Wohl aber fügt sich sein Debüt hinter der Kamera unauffällig in die Reihe des frühen 80er-Jahre-Hongkong-Kinos ein und lässt bereits Ringo Lams Potential erahnen. Denn auch wenn die Geschichte von der Liebe zwischen Mann und Geist handelt, so bietet sie doch gerade zum Ende hin relativ düstere Exorzismusszenen.

Zunächst aber lernen wir Versicherungsvertreter Koo Chi-Ming (Alan Tam), seine unsympathische, da herrische Verlobte Ivy (Cecilia Yip) sowie seine etwas verrückte Familie kennen. Die Frauen spielen Pacman und lassen sich vom Familienvater (Bill Tung) bedienen, der Vater selbst interessiert sich nur fürs Pferderennen und für Pornos, die ihm sein fünfzehnjähriger Nerd-Sohn entwendet, und der Rest der Verwandtschaft darf draußen im strömenden Regen grillen. Das sind die typischen Familienbeziehungen, wie wir sie aus Hongkong-Komödien kennen. Und das macht Spaß. Als sie per Ouija-Brett Kontakt zu einem Geist aufnehmen, entpuppt sich der ausgerechnet als die junge Cheung Siu-Yu (Joyce Ngai), deren Sturz von einem Dach für Selbstmord gehalten wird—eine Todesursache, bei der Mings Boss (Philip Chan) nicht zahlen will. Nun verlangt Siu-Yu von Ming, ihren Tod als Unfall zu berichtigen, damit ihre vierjährige Nachbarin Mimi die Versicherungssumme doch noch bekommt. Es dauert nicht lange, bis Ming dem hübschen Geist verfällt, doch der Exorziermeister ist schon auf dem Weg.

Der als kleine Klassiker verschriene Esprit d’Amour ist durchaus ein Streifen, der noch heute gefällt. Der Humor ist simpel und bis auf einige Ausnahmen (wenn Philip Chan als Prostitutionsbefürworter im Fernsehen auftritt) zum Schmunzeln. Alan Tam gibt gelungen die sympathische, wenn auch irgendwie trottelige Hauptfigur, und bekommt mit Joyce Ngai eine unschuldige, junge Darstellerin an die Seite gestellt, die den niedlichen aber durchaus frechen Geist perfekt verkörpert. Auf dieser Seite funktioniert der Film also, auch wenn die sich anbahnende Romanze etwas mehr Gewicht hätte bekommen können. So wirkt das Ganze nämlich teilweise unausgegoren. Nach einem Kuss und einer kurzen Gesangseinlage ist es mit der trauten Zweisamkeit auch schon wieder vorbei, wenn die giftige Ivy samt zukünftiger Schwiegermutter einen Exorzisten bestellt. Dann ändert sich der Film innerhalb weniger Sekunden von der leichten, humorvollen Romanze zum düsteren Grusel. Der Begriff Horror ist zwar fehl am Platz, aber die solide Exorzismusinszenierung sorgt beim Zuschauer doch für ein beklemmendes Gefühl.

Mit den A Chinese Ghost Story-Filmen haben die Chinesen die größten Mann-liebt-Geist-Klassiker für sich gepachtet und schaffen es dort auch, eine durchgehend geisterhafte, leidenschaftliche Atmosphäre zu kreieren. In Esprit d’Amour gelingt das leider nur bedingt, zu wetterwendisch ist der Film insgesamt und wechselt gelungene Passagen mit allzu Unnötigem ab. Das bedeutet nun nicht, dass Esprit d’Amour ein schlechter Film ist. Es heißt nur, dass er noch um einiges besser hätte sein können, hätte man die Romanze zwischen Mann und Geist noch intensiviert.

© Shaoshi, 28. Februar 2012
7/10

陰陽錯 | Yam Yeung Choh
Hongkong • 1983 • 93 Min • Gruselromantik
Regie | Ringo Lam Ling-Tung
Drehbuch | Raymond Fung Sai-Hung, Lo Gin, Clifton Ko Chi-Sum
Darsteller | Alan Tam Wing-Lun, Joyce Ngai Suk-Kwan, Cecilia Yip Tung, Philip Chan Yan-Kin, Bill Tung Biu, Billy Chan Nam-Kwong

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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