Filmkritik | The Law Of Attraction (China, 2011)

The Law Of AttractionDass Chinesen auch mal Liebesfilme ohne Kitsch zustande bringen können, beweist Zhao Tianyu mit seinem Episodenfilm The Law Of Attraction. In vier eigenständigen Geschichten widmet sich der Regisseur vier Facetten der Liebe und geht jedes Projekt auf eine ganz andere Weise an. Und doch lassen sich die vier Storys zuletzt zu einem großen Gesamtbild zusammenfügen, spannt der Film doch einen Bogen vom Frisch-Verliebtsein, über einen unerfüllten Kinderwunsch und einer Affäre bis hin zu »Wir bleiben zusammen, egal was kommt«.

In der ersten Geschichte, Detector, wird Gaoyuan von einer Sicherheitsbeamtin am Flughafen aufgehalten, bis er seinen Flug verpasst. Er muss aber unbedingt nach Xi’an, um einen Vertrag zu überbringen. Während er auf den nächsten Flug wartet, kommt er der Frau, die scheinbar alles über ihn weiß, näher. In der zweiten Episode, Thermometer, geht es um ein junges Paar, das sich unbedingt ein Baby wünscht, weshalb für den perfekten Empfängnismoment dermaßen viel Wissenschaft betrieben wird, dass es dem Mann, selbst Mathematiker, bald vergeht. Im dritten Segment, Stoplight, schließlich erleidet eine Frau (Karen Mok) mit ihrem Geliebten einen schlimmen Autounfall. Während sie selbst einigermaßen unbeschadet überlebt, liegt ihr Geliebter lebensbedroht im Krankenhaus. Ihr eigener Mann scheint sich nach dem Unfall außerdem distanziert zu verhalten. Der letzte Teil, Parachute, handelt von einem jungen Paar, das eigentlich eine Karriere als Fallschirmspringer angestrebt hat. Seit Sie aber drogensüchtig und ein seelisches Wrack ist, scheint der Traum in weite Ferne gerückt. Während sein Trainer auf eine neue Partnerin drängt, will Er lieber bei seiner Freundin bleiben, weil er weiß, dass sie auch eine so schwere Zeit gemeinsam durchstehen können.

In diesen vier unzusammenhängenden Geschichten widmet sich The Law Of Attraction nun also den vier gängisten Motiven einer Beziehung: neue Liebe, Kinderwunsch, Affäre und das gemeinsame Überwinden von Problemen. Spielen die ersten beiden Episoden noch viel mit Humor und absurden Situationen, wird es in den letzten beiden Teilen psychologischer, dramatischer und feinfühliger. Ein jeder wird wohl seine andere Lieblingsepisode haben, denn hier ist wirklich für jeden Geschmack etwas dabei. Das könnte allerdings zum Problem werden, denn wer lieber leichtfüßige Liebesfilme sieht, dürfte an den letzten beiden Episoden zu beißen haben. Umgekehrt ist es genauso: die ersten beiden Episoden könnten durchaus zu seicht sein, wenn man es lieber tiefgreifender hat. Am besten hat mir wohl das dritte Segment gefallen, da es am düstersten und packendsten inszeniert ist, auch wenn die Auflösung ziemlich offensichtlich ist. Aber auch Segment Thermometer hat mit seinem Humor und lässiger Inszenierung gut unterhalten.

Zu einem abendfüllenden Spielfilm hätte keine der vier Geschichten gereicht und so tut Zhao Tianyu das einzig richtige und vereint die vier Episoden in einem Streifen. Dann fällt auch nicht so auf, dass er kaum neue Geschichten erzählt und sich auf altbewährte Handlungsmuster beschränkt. Trotzdem dürfte bei The Law Of Attraction für jeden etwas dabei sein. Dass dies auch negativ aufgefasst werden kann, ist klar: mit so unterschiedlichen Geschichten kann man einfach nicht alle Zuschauer zufrieden stellen.

© Shaoshi, 22. September 2012
7/10

万有引力 | Wan You Yin Li
China • 2011 • 94 Min • Liebesfilm
Regie | Zhao Tianyu
Drehbuch | Zhao Tianyu, Ah Mei
Darsteller | Bai Baihe, Leon Dai, Duan Bowen, Guo Tao, Huang Huan, Karen Mok Man-Wai, Wen Zhang, Zhang Jingchu

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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