Serienkritik | When A Dog Loves A Cat (Hongkong, 2008)

When A Dog Loves A Cat

Im Vergleich zu den meisten taiwanesischen Serien wirken Serien aus Hongkong in der Regel erfrischend erwachsen. Das heißt aber noch lange nicht, dass Romanzen deshalb nicht weniger kitschig und standardisiert aufgezogen wären. Auch bei When A Dog Loves A Cat ist das so. Allzu viel erwartet man ja sowieso nicht, wenn man den Titel hört. Man denkt sofort an kitschige Szenen mit Tieren und ein romantisches Hin und Her zwischen Mann und Frau. Der Kern der Geschichte ist tatsächlich genau das, doch When A Dog Loves A Cat hat zum Glück noch ein bisschen mehr zu bieten—und leider auch das vielleicht dümmste Serienfinale, das für vergleichbare Serien (und generell seit Erfindung der Filmkameras) je gedreht wurde.

Die tierliebe Chow Chow (Myolie Wu) fängt gerade in der Werbeagentur Raptor Advertising an, um ihrem heimlichen Freund Carson (Raymond Wong) nahe sein zu können, als sie über den griesgrämigen Miu Chun (Gallen Lo) stolpert, der dort ebenfalls arbeitet. Klar ist, dass sich nach anfänglichen Streitereien zwischen Chow Chow und Miu Chun etwas anbahnen muss, zumal der treulose Carson sowieso jeder Frau hinterhersteigt und Miu Chun auch noch ins Nachbarhaus von Chow Chow und ihrer Familie zieht. Als Chow Chow schließlich den streunenden Hund Siu Ba a.k.a. Mini Bus aufgabelt und ihn bei einem sich sträubenden Miu Chun unterbringt, weil ihr eigener Vater Straßenköter hasst, ist sowieso eine immerwährende Verbindung zwischen den beiden geschlagen.

Auf den ersten Blick ist When A Dog Loves A Cat also eine Romanze, bei der sich alles um Tiere dreht, vornehmlich um Hunde. So ist Chow Chow das tierliebe Fräulein, das später ein Heim für herrenlose Hunde eröffnet, und Miu Chun hängt seit dem Tod seiner Freundin sehr an seiner verzogenen Katze Can-Can. Chow-Chows Bruder, der Verlierer Jim (David Lui), arbeitet als Hundetrainer, seine unliebsame Frau Tina (Margie Tsang) als Besitzerin eines Haustierladens und der Vater der Familie (Kwok Fung) arbeitet als Hundefänger, seit er durch einen von einem Streuner eingeschleppten Virus seine Schäferhund-Zucht verlor. Auch Miu Chuns Vater (Hui Siu-Hung) wird durch einen Schäferhund in die Serie eingeführt und Man Chi Kei (Bernice Liu), die neue Chefin bei Raptor Advertising, ist ebenfalls Hundenärrin.

So verwundert es denn auch nicht, dass Siu Ba schnell zum Mittelpunkt der Serie avanciert, wenn er auch noch als Maskottchen und Werbeikone für Raptor Advertising herhalten muss und allen Beteiligten zeigt, dass er als Hund sowieso der bessere Mensch ist. Dass sich Siu Ba mit Katze Can-Can anfreundet ist demnach auch logisch, nur dass sich die beiden arg vermenschlichten Tiere wie Menschen unterhalten, indem eine penetrante Frauenstimme Hund wie Katze vertont, ist eine absolut idiotische Idee. Zwar können die Tiere mit den Menschen nicht sprechen, wohl aber kommunizieren und schon mal Blumen pflücken, um zu trösten. Ein wenig mehr tierische Komponente hätte dem Ganzen gut getan, um es nicht völlig abgehoben und verblendet werden zu lassen.

Zur Mitte von When A Dog Loves A Cat wird das tierische Geplänkel jedoch immer unwichtiger, wenn dann doch die Beziehungen der Menschen in den Vordergrund rücken. Dabei liegt der Fokus nicht nur auf Chow-Chow und Miu Chun, auch ihre Familien geraten schon mal in den Mittelpunkt. Die Ehekrise zwischen Jim und seiner unzufriedenen und meistens ganz schön unsympathischen Frau Tina ist besonders auffällig, aber auch Miu Chuns verkorkste Eltern—und hier vor allem Hui Siu-Hung als Versager Miu Dai-Mo—geraten zeitweise ins Interesse. Das wird durchaus ganz schön turbulent und auch witzig, allerdings überwiegt zuletzt das Drama—vor allem bei der Geschichte von Jim und Tina, bei denen es bis zur (vorübergehenden) Trennung reicht. Weiteres tränenreiches Drama ist dann—leider ziemlich abgedroschen—ab dem Moment vorprogrammiert, als wir erfahren, dass Miu Chun (der sich inzwischen kaum nachvollziehbar, weil viel zu schnell, vom Griesgram zum Obersympathieträger gemausert hat) wieder an Krebs erkrankt ist und die Heilungschance quasi gleich Null ist, zumal man ja auch keine Heilungsmaßnahmen einleiten will.

Was also so leichtfüßig, naiv und rosarot inszeniert beginnt, wird zuletzt doch noch eine ganz schön tragische Geschichte, die leider das dümmste Ende überhaupt aufzuweisen hat. Den eigenen Tod wegen Rücksichtnahme auf die Gefühle anderer zu inszenieren ist nicht nur absolut verblendet, unverschämt und unrealistisch—es nimmt der tödlich naiven Serie zuletzt leider jegliche Sympathie. Kaum zu glauben, dass man trotzdem ein »Happy End« aus diesem Murks zaubern konnte.

Zur unbeschwerten Unterhaltung taugt When A Dog Loves A Cat natürlich. Gerade auf Seiten von Chow Chows Familie bleibt es meist turbulent. Insgesamt bleibt When A Dog Loves A Cat aber zu naiv, zu routiniert im Aneinanderreihen altbewährter Elemente. Dem Titel wird man auch nicht ganz gerecht. Katze und Hund werden irgendwann nämlich ziemlich überflüssig und die Romanze zwischen Chow-Chow und Miu Chun zugunsten anderer Nebenhandlungen in den Hintergrund gedrängt. Extra Punktabzug gibt es für die letzten Folgen und das Ende. Unterm Strich ist When A Dog Loves A Cat eine niedlich-naive, unterhaltsame Angelegenheit, die gegen Ende leider nicht die Kurve kriegt und einen mehr als fragwürdigen Beigeschmack hinterlässt.

© Shaoshi, 2. Mai 2010
5/10

當狗愛上貓 | Dong Gai Ngoi Seung Mau
Hongkong • 2008 • Romantische Komödie [Serie]
Episoden | 20 Episoden à ca. 40 Min.
Produzent | Kwan Wing-Chung
Darsteller | Gallen Lo Kar-Leung, Myolie Wu, Hui Siu-Hung, David Lui, Margie Tsang, Kwok Fung, Mannor Chan, Bernice Liu, Patrick Dunn, Raymond Wong Ho-Yin, Wilson Tsui, Dickson Lee, Natalie Wong, Celine Ma, Sharon Luk, Tracy Yip, Koo Ming Wa, Casper Chan, Amy Ng, Candy Chu, Jessie Shum, Sarah Song, Song Tze Ying, Chun Wong, Winnie Shum, Snow Suen, Savio Tsang

Und wie gefällt Euch die Serie?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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