Filmkritik | Poor Daddy (China, 1929)

Dieser Artikel ist Teil unserer Serie Retrospektive | Der frühe chinesische Film.


Poor DaddyViele chinesische Filme aus den 20er Jahren sind in den Wirren des 20. Jahrhunderts verschollen oder zerstört worden. Yang Xiaozhongs (†1969) Komödie Poor Daddy aus dem Jahre 1929 ist eines der wenigen Werke, die uns erhalten geblieben sind. Zwar fehlt von dem Film heute eine Filmrolle, aber auch ohne diese funktioniert die Handlung noch, war darauf doch mutmaßlich nur eine Rückblende zu sehen.

Der ewige Nebendarsteller Liu Jiqun (†1940), der in den 30er Jahren als Teil eines chinesischen »Dick und Doof«-Duos bekannt werden sollte, schlüpfte für den Film zum ersten Mal in eine Hauptrolle und spielte den Fischer Hu, der seit dem Tod seiner ersten Frau nichts mehr zu lachen hat. Seine neue Ehefrau terrorisiert ihn sowie seinen kleinen Sohn (Zhang Zhede) mit Schlägen und Essensentzug und hat an dem Vater-Sohn-Gespann pausenlos etwas auszusetzen. Hu, der am liebsten ein ruhiges, faules Leben führen würde, hat sehr darunter zu leiden, zumal ihn auch seine Freunde wegen seiner Angst vor dem Drachen auslachen. Schlimmer noch: Seine Frau bandelt wieder mit ihrem Ex-Geliebten an, der den armen Hu nicht nur als »Cousin« schikaniert, sondern obendrein in der reichen Nachbarschaft einen Juwelenraub verübt. Als Fischer Hu plötzlich als Schuldiger ins Gefängnis geworfen wird, ist es an seinem Sohnemann, den Vater zu retten.

Was damals als Komödie konzipiert war, ist auch heute noch gelegentlich zum Schmunzeln. Im Film arbeitet man hauptsächlich mit ein bisschen Slapstick und Overacting, aber schon allein Hus Situation hat Humorpotenzial. In seiner zweiten Ehe hat er nämlich nichts zu lachen, wird wie ein unartiger Halbwüchsiger behandelt, sogar vor den Augen der anderen Dorfbewohner runtergemacht und von seinem aufmüpfigen Widersacher mit kindischen Streichen gepiesakt. An sich ein tragisches Leben als Fußabstreifer der anderen ist die Figur doch witzig in Szene gesetzt. Ebenso kann Zhang Zhede als vielleicht zehnjähriger Knirps begeistern, der eine tiefe Beziehung zu seinem Vater erlebt, wie es sich für einen wohlerzogenen Sohn gehört, aber ebenso frech und gewieft sein kann. Er wird dann auch zum Held, wenn es darum geht, die Unschuld seines Vaters zu beweisen und den wahren Täter zu überführen. Regisseur Yang Xiaozhong (in den Credits als Dumas Young aufgeführt) inszeniert einen Showdown, der irgendwo zwischen Slapstick und Action angesiedelt ist und am Höhepunkt entweder mit interessanter Tricktechnik oder einem gewagten Stunt verblüffen kann.

Die Qualität des Films ist jedoch nicht die Beste. So sind einige Szenen so dunkel geworden, dass man kaum etwas erkennen kann, die Texte in den Zwischentiteln rutschen gelegentlich aus dem Bild und wie schon erwähnt fehlt ein Stück. Der Handlung kann man aber problemlos folgen, der Humor regt hie und da zum Schmunzeln an und zuletzt kann Poor Daddy mit der Tatsache überraschen, dass in den 20er Jahren Filme gedreht worden sind, die in ihrem Inhalt erstaunlich modern wirken.

© Shaoshi, 5. Februar 2013

儿子英雄 / 怕老婆 | Erzi Yingxiong / Pa Laopo
China • 1929 • 71 Min • Komödie
Alternativtitel | My Son Was A Hero
Regie | Yang Xiaozhong
Darsteller | Liu Jiqun, Zhang Zhede, Xu Jingjun, Gao Weilian, Hong Jingling, He Zhigang, He Meiying, Wang Zhengqing

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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