Filmkritik | Unborn But Forgotten (Südkorea, 2002)

Unborn But ForgottenDer südkoreanische Gruselfilm Unborn But Forgotten galt scheinbar als gut genug, um vor Kurzem von den Amerikanern neuverfilmt zu werden. Das allein heißt aber noch nicht, dass es sich bei Unborn But Forgotten um einen erstklassigen Film handeln muss.

Weil Abtreibung auch in Asien aktuell ist, greift der Film dieses Thema auf und macht daraus etwas, was allerdings weder sonderlich kritisch noch realistisch ist: In der letzten Zeit starben ungewöhnlich viele schwangere Frauen auf seltsame Weise. Die eben von ihrem Freund geschwängerte Reporterin Han stellt Nachforschungen an und findet mit Hilfe von Polizist Choi heraus, dass sämtliche Opfer vor ihrem Tod die Website einer Abtreibungsklinik aufgerufen haben. Von Neugier getrieben klickt auch Han auf diese Seite und sieht ein mysteriöses Video, das ihren baldigen Tod ankündigt. Von nun an hat sie noch 15 Tage zu leben und somit nicht mehr viel Zeit, den Online-Fluch abzuwenden.

Ring lässt grüßen. War es im japanischen Vorbild noch ein Videoband, welches das Leben der Konsumenten drastisch kürzte, ist es hier eine Art Video-Vision im Internet. Somit setzt man die Ring-Thematik zwar in einen etwas moderneren Kontext und filmt auch weitaus spannender und atmosphärisch dichter, doch der richtige Horror will sich auch hier kaum einstellen.

Wer bluttriefende Föten und gruselige Ärzte in einer seltsamen Abtreibklinik erwartet hat, wird leider arg enttäuscht. Die Macher fahren bei Unborn But Forgotten eher auf der psychologischen Schiene, haben damit jedoch nur bedingt Erfolg. Immer nervösere Hauptfiguren, Visionen, die deren Paranoia schüren, und schlecht ausgeleuchtete Räume mit vielen schattigen Ecken, in denen jemand oder etwas lauern könnte, sorgen zwar für eine generell düstere Stimmung und den ein oder anderen kleineren Schockmoment, doch reicht das kaum für einen tollen Film.

Die Idee vom gruseligen Haus ist so alt wie das Genre des Horrorfilms und so spielt sich der Spuk bei Unborn But Forgotten vornehmlich in der Wohnung ab, in der das letzte Opfer gelebt hat. Han zieht also spontan (und nur bedingt nachvollziehbar) in diese Wohnung, wo es sich arg mystisch um ein Gemälde und dessen Malerin, eine undurchsichtige Nachbarin und einen Schrein in einem geheimen Zimmer in einem Zwischengeschoss dreht.

Nicht nur die Idee der verfluchten Website, auch die Auflösung und ein Großteil des Handlungsverlaufs von Unborn But Forgotten wirken arg an den Haaren herbeigezogen, so dass der Film übers Mittelmaß einfach nicht hinauskommt. Eigene, innovative Ideen fehlen ihm sowieso. Immer wieder stolpert man außerdem über Logiklöcher und am Ende bleiben auch noch einige Fragen offen.

Wer noch Neuling auf dem Gebiet des asiatischen Horrofilms ist, bei dem dürfte Unborn But Forgotten womöglich etwas besser wegkommen. Immerhin ist der Film schön düster geworden, bietet den ein oder anderen kleineren Gruselmoment und ist (beim ersten Mal) sogar durchaus spannend. Nur wer schon mehrere Horrorfilme aus Asien gesehen hat, wird sich sehr daran stören, dass auch Unborn But Forgotten wieder einmal nichts weiter ist als ein nach dem ewig selben Muster gestrickter Gruselfilm im Fahrwasser von Ring, nur diesmal eben aus Südkorea.

So ist die Story einfach zu austauschbar—die Website hätte jede x-beliebige sein können und auch den Fluch hätte man mit ein bisschen Modifikation nicht auf Abtreibung sondern auf etwas anderes stützen können. Wer asiatische Horrofilme mag, darf ruhig einen Blick riskieren. Der blutleere Streifen Unborn But Forgotten bietet immerhin noch genug, um akzeptabel zu unterhalten, auch wenn man sich vor Augen halten sollte, dass es sich hier um einen milden Gruselfilm der Marke 08/15 handelt. Man hat also nichts verpasst, wenn man Unborn But Forgotten nicht gesehen hat.

© Shaoshi, 15. April 2009
5/10

하얀방 | Hayanbang
Südkorea • 2002 • 90 Min • FSK 16 • Horror
Alternativtitel | White Room
Regie | Lim Chang-Jae
Drehbuch | Han Hyun-Geun
Darsteller | Lee Eun-Ju, Jeong Jun-Ho, Myeong Ji-Yeon, Kim Ki-Hyeon, Jo Seon-Mook, Ko Jeong-Min, Kim Jae-Rok, Lee Kan-Hee, Kim Kyeong-Ik, Seo Beom-Yeol, Lee So-Yeon

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s