Serienkritik | The Hakkenden (Japan, 1990)

The HakkendenDer Jidaigeki-Animé The Hakkenden, oder auch Die Legende der acht Hundekrieger, läuft im deutschen Fernsehen gern als Zusammenschnitt und wird als vier Filme dargereicht, ist eigentlich aber eine Serie mit 13 Folgen (à 30 Minuten), die auf dem berühmten, alten japanischen Samurai-Roman »Nansou Satomi Hakkenden« von Kyokutei Bakin basiert und fast schon monumentale Ausmaße annimmt.

Inhaltlich geht es um die Legende der acht Hundekrieger, die im mittelalterlichen Japan zur Zeit ständiger Bürgerkriege spielt. In einer Vorgeschichte erfährt der Zuschauer von der Prinzessin Fuse, die einst mit einem Hund eines leichtfertigen Versprechens wegen eine Ehe eingehen musste, jedoch noch vor der Geburt ihrer Kinder stirbt. Jahre später werden ihre acht Söhne, alle mit einem seltsamen Muttermal in Form einer Pfingstrose gesegnet und mit einer Gebetsperle versehen, die jedem der acht völlig unterschiedlichen Männer eine bestimmte konfuzianische Tugend zuordnet, wiedergeboren und finden als Erwachsene nach und nach schicksalhaft zusammen, um ihrer wahren Bestimmung nachzugehen und den Fluch, der auf ihnen allen lastet, von sich abzuwenden.

Was sich nun vielleicht banal lesen mag, ist eine überaus komplexe, dichte Geschichte mit verschiedenen gleichzeitig oder durch Rückblenden gesponnenen Handlungssträngen, die jedoch allesamt an einem Punkt zusammenlaufen und—so unzusammenhängend sie bei Beginn vielleicht wirken mögen—nach und nach für die Geschichte einen Sinn machen werden. Jeder der acht unterschiedlichen Krieger hat zudem ein eigenes Leben, eine eigene Vergangenheit und ein eigenes Ziel, was oft in Rückblenden erklärt und nie ganz aus den Augen verloren wird. So ist auch die detailreiche Ausarbeitung der überaus unterschiedlichen Charaktere, die teilweise erst miteinander befeindet sind, ehe sie merken, dass sie gemeinsam statt gegeneinander kämpfen müssen, überaus gelungen, selbst wenn der Fokus hier vielleicht auch ganz besonders auf zweien oder dreien der Hundekrieger liegt—und hier vor allem auf dem recht jungen Shino, dessen Mission es ist, ein geheimnisvolles Schwert seinem Besitzer zu überbringen, was wahrlich nicht ohne Hindernisse möglich ist. Viele seltsame, beängstigende Nebenfiguren runden das Sammelsurium unterschiedlichster Charaktere zudem mehr als zufriedenstellend ab.

Mit einer Freigabe ab 16 Jahren ist The Hakkenden beim besten Willen nichts für Kinder und völlig gerechtfertigt, da es in mancher Hinsicht, mit u.a. abgetrennten Gliedmaßen, blutigen Schwertkämpfen oder angreifenden Dämonen recht brutal zugehen kann und die komplizierte Zusammenfügung zahlreicher Erzählstränge sowie scheinbar lose eingewebter Visionen oder surrealen Traumsequenzen nicht nur junge Zuschauer verwirren kann. Teilweise wird der westliche Zuschauer zudem mit einer Fülle an japanischen Lebensweisheiten, Geschichte, Traditionen und ständig wiederkehrenden shintoistischen oder buddhistischen Symbolen wie sich drehenden Windrädern, Brücken oder Papierschirmen fast schon erschlagen, weshalb der Animé gelegentlich eher schwer zugänglich ist und den Zuschauer ganz schön in Anspruch nimmt. Da braucht es beim Publikum schon eine gehörige Portion Vorwissen zu und ein generelles starkes Interesse an Japans Kultur, um wenigstens einen Teil der üppigen Bildersprache oder die Handlungs- und Denkweisen der einzelnen Personen zu verstehen. Nebenbei machen ewige Zeitsprünge in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft die ohnehin schon mehr als komplexe Geschichte stellenweise ein wenig konfus, weshalb man kaum beim ersten Sehen alles mitbekommt, was einem der Animé bieten möchte.

Die Grundhaltung von The Hakkenden ist eine so dichte wie düstere Atmosphäre, die sich in kaum einer Szene zu lockern vermag. Voller Ernst bietet uns der Animé eine epische Geschichte vollgestopft mit einigen überaus guten Ideen, Geistern und dem Weg der Samurai—eine anspruchsvolle Geschichte, die den geneigten Zuschauer gefangen nimmt, fasziniert und mitreißt, selbst wenn nicht jede einzelne Szene verständlich wird und auch am Ende noch die ein oder andere Frage offen bleibt.

Allerdings ist der ständig wechselnde Zeichenstil in The Hakkenden leider ziemlich durchwachsen. Da bei der Herstellung der Serie viele verschiedene Zeichner mit den unterschiedlichsten Stilen mitgewirkt haben, leidet die Qualität bisweilen. Was das Auge anfangs und auch zum Ende hin wieder mit bis zu sehr guten, hochwertigen Zeichnungen erfreut, die nicht nur detailreiche Hintergründe sondern auch ein hervorragendes Mienenspiel der einzelnen Protagonisten liefern, lässt vor allem im dritten Viertel doch mal einige Folgen sehr stark nach, da der dafür zuständige Zeichner mit extrem simplem Stil die Figuren fast bis zur Unkenntlichkeit »verschandelt« und damit in keiner Weise mit den Zeichnungen der ersten und letzten Folgen von The Hakkenden mithalten kann. Im Ganzen sind die Zeichnungen des Animés aber ebenso vielschichtig wie dessen Handlungsverlauf selbst.

Herausgekommen ist mit der Animé-Serie The Hakkenden jedenfalls eine überaus komplexe, anspruchsvolle und hochspannende Geschichte, die einen für Japan so wichtigen Roman würdig verfilmt hat und auch für den westlichen Zuschauer absolut sehenswert ist, sofern er denn wegen einiger Verständigungsschwierigkeiten einige Abstriche zu machen gewillt ist.

© Shaoshi, 25. November 2007
8/10

THE八犬伝
Japan • 1990 • 13 Folgen • FSK 16 • Animé | Historie
Regie | Takashi Anno, Yukiro Okamoto

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Cover-Quelle: movie.douban.com

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