Filmkritik | Natural City (Südkorea, 2003)

Natural CityScience-Fiction-Filme, die im futuristischen Großstadtmoloch spielen, sind ja irgendwie alle gleich. Ist also auch nicht verwunderlich, wenn man sich bei dem südkoreanischen Genrebeitrag Natural City so manches Mal an den US-Klassiker Blade Runner erinnert fühlt. Ob das als positiv zu bewerten ist?

Nun, man befindet sich also im Jahr 2080, in dem die Erde nicht mehr nur von Menschen bevölkert ist, sondern auch von Cyborgs. Weil es mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen doch noch nicht so weit her ist, läuft das Haltbarkeitsdatum der Cyborgs ziemlich schnell ab und sie werden zum Verschrotten eingesammelt. Kleine Fehler in ihrem künstlichen Intelligenzsystem lässt einige Cyborgs jedoch zu brutalen Rebellen mutieren. Die Spezialeinheit Task Force »MP« soll die Roboter eliminieren und den Frieden in Mecaline City wiederherstellen. Mit Hilfe des verrückten Wissenschaftlers Dr. Croy (Jeong Eun-Pyo) soll es allerdings eine Möglichkeit geben, das Leben der Cyborgs zu verlängern. Dazu bedarf es allerdings eines menschlichen Opfers, das man in der Einzelkämpferin Cyon (Lee Jae-Eun) findet. Bald ist nicht nur der agressive Cyborg Cypher hinter der jungen Frau her, sondern auch R (Yu Ji-Tae), Mitglied der Task Force, heftet sich an ihre Fersen. Er hat sich nämlich in die Cyborg-Tänzerin Ria verliebt, deren anstehendes Verfallsdatum er unbedingt mit Hilfe von Dr. Coys Erfindung hinauszögern möchte.

Rein äußerlich betrachtet ist Natural City eine Wucht. All die Klischees der düsteren Endzeitstimmung, nicht gerade heimeligen CGI-Städten, vielen Spezialeffekten und ganz viel technischen Spielzeugen—all das natürlich in Südkoreas typischer Hochglanzoptik mit monochromer Bildfärbung—dürften nicht nur das Auge von Genreliebhabern erfreuen. Was aber nicht heißt, dass man hier sonderlich kreativ mit dem Zukunftsaspekt umgehen würde. Das äußere Szenario ist das übliche, die Ideen von neu eingeführten Klassengesellschaften, von Endzeit-Ghettos, futuristischen Ballermännern und rebellierenden Maschinen hat man schon in gefühlt jedem vergleichbaren Science-Fiction-Actionkino gesehen. Na ja, zumindest kann sich das alles echt sehen lassen.

Die Action besteht darin, dass sich möglichst viele ultraharte Männer gegenseitig die Birnen wegballern und dabei in düsteren, feuchten Szenarios möglichst viel in Zeitlupen in der Luft herumwirbeln müssen. Geschossen wird scharf, so dass die Action ganz schön hart und durchaus blutig daherkommt. Actionfans brauchen sich jetzt trotzdem nicht die Hände zu reiben. Denn solche Szenen kommen eigentlich nur zu Beginn und zum Showdown zum Einsatz. Das lange Zwischendrin wird mit der Liebesgeschichte zwischen R und Ria und dem Leben von Cyon gefüllt und wird dabei so behäbig erzählt, dass einem schon mal die Füße einschlafen können. Man wird das Gefühl nicht los, dass es sich hier nicht um einen Science-Fiction-Thriller handelt, sondern um eine tragische Liebesgeschichte, die zufällig im Science-Fiction-Zeitalter spielt. Viele, die verständlicherweise eine spannende Thrillergeschichte mit viel Action erwartet haben, dürften ganz schön enttäuscht sein. Doch auch wer auf die Liebesgeschichte gesetzt hat, könnte es schwer haben. Die Menschen bleiben so schablonenhaft wie die Cyborgs, so dass alle Figuren im Grunde gleich distanziert bleiben. Man wird das Gefühl nicht los, einen ganz schön zähen unterkühlten Streifen zu gucken. Gar nicht gut.

Natural City ist optisch top, ansonsten Flop. Die düstere Endzeitstimmung kommt zwar gut rüber, die Geschichte ist im Ansatz gut, aber an der Ausführung hapert’s. Die Action ist hart, aber ziemlich dünn gesät und die Liebesgeschichte zwischen Mensch und Cyborg berührt kein bisschen. Natural City bleibt leider hohles Popcorn-Kino, das außer optisch keinen bleibenden Eindruck hinterlässt.

© Shaoshi, 28. November 2010
5/10

내츄럴 시티 | Naechureol Siti
Südkorea • 2003 • 108 Min • FSK 16 • Science Fiction
Regie | Min Byeong-Cheon
Drehbuch | Min Byeong-Cheon
Darsteller | Yu Ji-Tae, Lee Jae-Eun, Yoon Chan, Seo Lin, Jeong Eun-Pyo, Sin Goo, Yoon Joo-Sang, Kim Eul-Dong, Jeong Doo-Hong, Eun Won-Jae, Kim Hyo-Seon, Min Hye-Ryeong

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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