Filmkritik | Connected (Hongkong, 2008)

Neue Rezension!

ConnectedRemakes sind ja in der Regel überflüssig. Manchmal sind sie erträglich, wenn es den Filmemachern beispielsweise gelingt, den Inhalt in eine völlig andere Kultur zu verfrachten. Dann aber muss der Film einen gewissen Mehrwert bieten. Bei Lost On Journey hat es zum Beispiel gut geklappt. Wie es um das Final Call-Remake Connected steht, weiß ich nicht. Ich habe das US-Original nicht gesehen und gehe davon aus, dass mir das zum Vorteil kommt. So amerikanisiert wie die Hongkong-Fassung daherkommt, vermute ich nämlich, dass das Remake relativ nah am Original bleibt. Tun wir also am besten so als wäre Benny Chans Connected ein eigenständiger Film.

Grace (überzeugend hysterisch: Barbie Hsu) wird von Klischeebösewichtern in schwarzen Klamotten (u.a. Liu Ye) entführt und in einer Hütte in der Pampa (offensichtlich auf dem Gelände des alten HK-Flughafen gedreht) gefangen gehalten. Als es ihr gelingt, mit einem zerdepperten Telefon einen Kontakt zur Außenwelt herzustellen, bittet sie um Hilfe. Bob (noch hysterischer: Louis Koo) am anderen Ende der Leitung, Typ Schwächling, lässt sich schnell überzeugen, dass sie es ernst meint, und versucht bald im Alleingang, sie zu retten, da ihm die Polizei (u.a. Nick Cheung) nicht glauben will.

Das klingt erst einmal nach der üblichen Standardware voller Klischees, platter Figuren, hirnloser Action und Möglichkeiten zu unverschämtem Product Placement. Und genau das ist Connected auch. Trotzdem erwischt man sich irgendwann dabei, dass man erstaunlich wenig an dem Film herummäkelt oder sich allerhöchstens darüber amüsiert. Grund: die Ausführung ist so dermaßen solide, dass man sämtliche Unstimmigkeiten und Klischees bereitwillig schluckt. Es ist einfach Wahnsinn, welch unglaublichen Sog die Story entwickelt. Schon nach kürzester Zeit befindet man sich mittendrin im Geschehen, das mit Blechschäden auf Hongkongs Straßen längst zum Chaos mutiert ist. Dass Charakterzeichnung nur rudimentär vorhanden ist, fällt gar nicht mehr negativ auf. Es ist einfach zu viel los, um auf solche Nebensächlichkeiten zu achten. Stattdessen fiebern wir mit unserer Identifikationsfigur Bob mit, wie er seinen Wettlauf gegen die Zeit antritt. Denn eigentlich möchte er rechtzeitig am Flughafen sein, um seinen Sohnemann zu verabschieden, aber er will eben auch Grace helfen, die am anderen Ende bettelt und fleht. Und das, obwohl er in seinem Leben noch nie ein Versprechen gehalten hat.

Bob (und uns Zuschauern) sitzt die Zeit unangenehm im Nacken. Selbst witzige Momente wie Wong Cho-Lams köstlicher Cameo-Auftritt in einem Handygeschäft scheinen sich ins Unerträgliche zu ziehen. Denn eigentlich bräuchte Bob dringend ein Ladegerät, da passt der Komiker einfach nicht ins Bild. Kein Wunder, dass Bob schnell zu drastischeren Mitteln greift, die zwar ziemlich überzogen wirken, aber die Mittel zum Zweck gut erfüllen. Es gibt also kaum Zeit für Verschnaufspausen und das ist gut so. So hat man keine Zeit, sich über Logiklöcher oder den Pepsi-Laster aufzuregen. Stattdessen ergötzt man sich daran, wie Bob in einer sinnlosen Zerstörungsorgie halb Hongkong demoliert, anschließend aus seinem geschrotteten Wagen klettert und sich den nächstbesten fahrbaren Untersatz krallt, um den Bösewichtern weiter hinterherhetzen zu können. Nicht, dass diese Verfolgungsjagd irgendeinen Sinn hätte, außer eben den zu unterhalten. Im Laufe des Films wird die Action immer intensiver, die Bösewichter immer gerissener und das Finale in einer Lagerhalle am Flughafen so dermaßen over-the-top, dass es fast schon weh tut – wenn das alles eben nicht so verdammt unterhaltsam wäre.

Die Ausgangslage von Connected ist denkbar schlecht: 08/15-Actioner, Klischees, Logiklöcher, platte Figuren und dann ja auch noch ein Remake! Zum Glück versteht Benny Chan seine Arbeit und zaubert aus dem Stoff einen wahnsinnig unterhaltsamen wie spannenden Actionfilm, der handwerklich grundsolide und massentauglich daherkommt. Das ist Popcorn-Kino allererster Klasse. Wahlweise könnte es auch der längste Werbespot für Motorola, Tissot und Pepsi Max sein, aber bei diesem Unterhaltungswert ist das völlig egal.

© Shaoshi, 20. Juli 2013
8/10

保持通話 | Bo Chi Tung Wah
Hongkong • 2008 • 110 Min • Actionthriller
Regie | Benny Chan Muk-Sing
Drehbuch | Alan Yuen Kam-Lun, Benny Chan Muk-Sing
Darsteller | Louis Koo Tin-Lok, Barbie Hsu, Liu Ye, Nick Cheung Ka-Fai, Louis Fan Siu-Wong, Flora Chan Wai-Shan, Gong Beibi, Raymond Wong Ho-Yin, Eddie Cheung Siu-Fai, Presley Tam, Vincent Kok Tak-Chiu, Ankie Beilke, Felix Lok Ying-Kwan, Ken Hung Cheuk-Lap, Carlos Chan Ka-Lok, Wong Cho-Lam

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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