Filmkritik | Chinese Zodiac (China / Hongkong, 2012)

Mal wieder was Neues:

Chinese Zodiac/ZC12

Mit Chinese Zodiac wollte Jackie Chan kürzlich seine populäre Abenteuerreihe um seine Figur »Asian Hawk« beenden. War er für die international ausgelegten Streifen Der rechte Arm der Götter (1987) und Mission Adler (1991) noch auf dem Höhepunkt seiner Karriere, ist er mit seinen inzwischen knapp 60 Jahren natürlich kaum noch zu so bahnbrechenden Stunts wie einst in der Lage. Immerhin zur megacoolen Kaugummi-Szene hat es noch gereicht, das Umfeld ist wie gewohnt international und die Frauen so unerträglich bescheuert wie in den »Vorgänger«-Filmen (und fast allen anderen Jackie-Chan-Filmen).

Als Kunst/Grabräuber nennt sich Jackie Chan inzwischen JC statt Jackie und stiehlt mit seiner Crew (Kwon Sang-Woo, Liao Fan, Zhang Lanxin) im Auftrag böser Typen Artefakte. Gerade ist er dabei, zwölf Bronzefiguren ausfindig zu machen, die während des zweiten Opiumkriegs aus dem Pekinger Sommerpalast gestohlen wurden. In Paris fahren sie nicht nur am Eifelturm vorbei, sondern treffen auch die Aktivistin Coco (Yao Xingtong), die sich dafür einsetzt, dass Kunstschätze in ihre Heimat zurückgebracht werden sollen, sowie die französische Erbin Katherine (Laura Weissbecker). Beide Frauen stümpern nun den Rest des Filmes mit, keifen, zicken und stellen sich dämlich an wie es Frauen in Jackie-Chan-Filmen meistens tun. Unerträglich!

Die Action ist mit einigen Anlaufschwierigkeiten für einen Chan-Film so neuen Datums ganz passabel. Macht sich Chan eingangs noch vor Wachhunden zum Affen, darf er später in einer Kunstgegenstandsfälscherfabrik doch noch mal seine komische Markenzeichenaction aufleben lassen. Da wird gejagt, geflohen, zweckentfremdet, gekämpft und verteidigt – freilich mit kindgerecht harmlosem Ausgang, aber Chan bleibt im Rahmen seiner Möglichkeiten immer noch erstaunlich agil. Weniger schön: mehr als offensichtlich eingesetztes Wirework und einige sehr künstlich zusammenmontierte Szenen (Stichwort »fliegender Baumstamm«) schmälern das Ganze beträchtlich. JCs Crewstatistin Bonnie (Zhang Lanxin) darf sich in nebensächlichem Gekloppe Kampfsportlerin Caitlin Dechelle stellen und die Beine durchstrecken, aber in einem Chan-Film ist eben nur Chan der wahre Meister.

Viel mehr Positives hat der Film leider nicht zu bieten. Denn ausgerechnet der Endkampf beim Skydiving wirkt so was von blöde und nimmt einen derart unrealistischen Ausgang, dass man am liebsten auch den eigenen Fernseher in den nächsten Vulkan werfen möchte. Die Handlung ist gewohnt dünn, die Kulissen teils grottenschlecht (siehe Felsspaltensetting) und auf Seiten der Guten müssen sowieso alle hinter Jackie Chan verblassen. Nicht, dass er hier so eine schillernde Persönlichkeit abgeben würde, wohlgemerkt… Auf Seiten der Bösen wird es aber richtig ärgerlich. Da ist eine ganze Gruppe hirnloser Gangster in bunten Hawaiihemden hinter JC und Co. her, taucht dann aber mit ungeladenen Pistolen auf und legt ein Overacting an den Tag, dass es nicht mehr feierlich ist. Selbiges gilt für die internationalen Piraten (u.a. Steve Yoo, Ken Lo), die mit Panzerfaustraketen, die sich in der nächsten Liane verfangen, und noch dümmeren Verkleidungen JC und seinem Trupp in den Weg stellen.

Womit wir dann beim letzten großen Ärgernis wären: Humor. Chinese Zodiac richtet sich ganz klar an den chinesischen Markt (auch schon zu sehen an einer so patriotisch wie idiotischen Schwachsinnsrede im Mittelteil) und dass der chinesische Humor nicht gerade der subtilste ist, wissen wir ja. Aber was uns Chan und Co. hier auftischen, ist unterste Schublade. Da stellt sich JC den scharfen Wachhunden als Hundeverschnitt auf allen vieren und Blattwerk im Mund (?!), die Piraten bedienen sich ähnlich infantilem Slapstick und bei der Blödhühnerei der Frauen würde einem am liebsten mal die Hand ausrutschen.

Obzwar sich Chinese Zodiac einstmals erfolgsträchtiger Elemente bedient, funktioniert der Abenteuerstreifen im neuen Jahrtausend nicht mehr richtig. Nervig, übertrieben, infantil und wenig überraschend sind nur einige Eigenschaften des Films, die den Genuss schmälern. Wer Chan in einer Abenteuerrolle sehen möchte, sollte lieber noch mal Der rechte Arm der Götter schauen. Zwar war der schon kein Kunstwerk, aber immerhin unterhaltsam und handgemacht. Chinese Zodiac wirkt dagegen wie eine Mogelpackung, die zwar auf den ersten Blick wie ein echter Jackie-Chan-Film aussieht, aber bei genauerem Hinsehen extrem viele schlechte Elemente aufweist. Da helfen auch die Cameos von Shu Qi, Daniel Wu oder Jackie Chans Ehefrau nicht mehr.

© Shaoshi, 21. April 2013
3/10

十二生肖 | Shi Er Sheng Xiao
China | Hongkong • 2012 • 122 Min • Action | Abenteuer
Alternativtitel | CZ12
Regie | Jackie Chan
Drehbuch | Jackie Chan
Darsteller | Jackie Chan, Kwon Sang-Woo, Liao Fan, Yao Xingtong, Zhang Lanxin, Laura Weissbecker, Jonathan Lee, Vincent Sze, Oliver Platt, Alaa Safi, Caitlin Dechelle, Wilson Chen, Ken Lo Wai-Kwong, Steve Yoo Sung-Jun, Pierre Bourdaud, Rosario Amadeo, Cary Woodworth, Kazu Patrick Tang, Daniel Wu, Shu Qi, Joan Lin Feng-Chiao

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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