Filmkritik | Ein Hund namens Quill (Japan, 2004)

Ein Hund namens QuillEin Film, der in Japan erfolgreich ist, muss dies in Deutschland noch lange nicht sein. Obwohl Ein Hund namens Quill sogar schon einmal im deutschen Fernsehen lief, ist er hierzulande wohl mehr als unbekannt.

Erzählt wird die Geschichte von Quill, einem Labrador, der zum Blindenhund ausgebildet wird und auch als solcher arbeitet. Er soll schließlich als tierische Hilfe für den blinden Watanabe eingesetzt werden, der den Hund nur langsam akzeptieren kann. Quill ist ein treuer und gehorsamer Begleiter, aber auch dieses Glück währt nicht lange.

Die Handlung von Ein Hund namens Quill ist mehr als dürftig. Man konzentriert sich auf das Leben des Hundes Quill, der vom drolligen Welpendasein bis zu seinem Tod an dem Ort, an dem er auch das erste fröhliche Jahr seines Lebens verbracht hat, begleitet wird. Ein Hundeleben an sich ist ja schon nicht sonderlich aufregend, doch ist ein Hund auch noch so brav und ruhig wie Quill, passiert noch weitaus weniger. Hätte man den Fokus auf die Menschen um ihn herum gelegt, deren Leben er verändert oder anderswie emotional berührt (was er im Film nur ansatzweise tut), hätte aus Ein Hund namens Quill ein rührseliges Drama werden können. Stattdessen ist Ein Hund namens Quill ein überaus langsamer, ruhiger Film geworden, dessen Inhalt schlicht, realistisch und vor allem sachlich wiedergegeben wird. Erfreulicherweise wird dabei um Kitsch, aufgeblähten Pathos oder Überzogenheit ein großer Bogen gemacht.

Dass der alte Watanabe, der meist recht griesgrämig und nur bedingt sympathisch erscheint, eine innige Bindung zu seinem Hund aufbaut, wird am Ende zwar klar, den Weg dorthin müssen wir uns aber in unserer eigenen Phantasie ausmalen. Ein kleines Manko: die Szenen in Ein Hund namens Quill sind quasi Momentaufnahmen ohne direkten Zusammenhang. Wandlungsprozesse werden nie groß dargestellt, weshalb beim Zuschauer auch keine richtigen Emotionen aufkommen. Auch zu den Familienmitgliedern, bei denen Quill lebt, lässt sich keine Bindung herstellen. Watanabe wirkt selbst recht schemenhaft, seine beiden Kinder apathisch und seine Frau wie ein transparenter Schatten.

Quill ist dank seines genügsamen ruhigen Charakters ein liebenswerter Hund und vor allem als Welpe niedlich anzusehen, doch wenn er nicht gerade mit jemandem durch die Gegend läuft, wirkt er ziemlich gelangweilt. Man könnte sogar fast Mitleid mit ihm bekommen, da sein Leben insgesamt nicht gerade besonders fröhlich anmutet und er meist sich selbst überlassen lustlos mit seinem Spielzeug spielt oder in einer Ecke oder gar in einem Käfig liegt.

Spannend wird es leider nie und dank fehlender Tiefe auch nicht sonderlich ergreifend. Dem Film fehlt definitiv an Elan. Das kann auch keine lässige Mundharmonikamusik mehr retten. Die langatmige Erzählweise ermüdet irgendwann und dehnt die rund 110 Minuten aufs gefühlte Doppelte. Wirklich schade, da Ein Hund namens Quill in der Tat einige nette Bilder parat hält und auch im Ansatz alles richtig macht—nur ist der größte Teil des Films zu banal und mit zu großem Abstand inszeniert worden, um wirklich nahe zu gehen.

Dank Hunde-Überpräsenz ist Ein Hund namens Quill nichts für Hundehasser. Hunde- und Tierliebhaber dürfen aber trotzdem einen Blick riskieren, da es hier eine Überdosis blonder Labrador-Hunde zu sehen gibt und die Menschen, selbst die Kinder, mehr als nebensächlich bleiben. Wer hier nicht allzu viel erwartet, wird sicherlich auch nicht enttäuscht werden.

© Shaoshi, 5. Februar 2008
6/10

クイール | Kuiru
Japan • 2004 • 100 Min. •FSK 6 • Tierfilm
Alternativtitel | Quill – Ein Freund fürs Leben
Regie | Yoichi Sai
Drehbuch | Yoshihiro Nakamura
Darsteller | Kaoru Kobayashi, Kippei, Teruyuki Kagawa, Keiko Toda, Tomoka Kurotani, Shinobu Terajima, Kenji Mizuhashi, Yuko Natori, Yukika Sakuratani

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com
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