Filmkritik | Touching Starlight (China, 1996)

Touching StarlightChinesische Fernsehfilme sind eine echte Katastrophe, da sie in der Regel mit einem extrem niedrigen Budget gedreht werden und man sich demnach nur Schauspieler leisten kann, die bieder, megatheatralisch und/oder hölzern spielen. Deswegen habe ich schon so manches TV-Filmchen abgebrochen.

Dass es allerdings auch anders geht, beweist Touching Starlight. Zwar wurde das Drama ebenfalls mit niedrigem Budget gedreht, aber immerhin spielt die damals noch blutjunge Zhang Ziyi mit. Im zarten Alter von gerade mal fünfzehn Jahren (und für eine angebliche Gage von gerade einmal rund 2000 Euro) mimt sie in ihrer ersten Rolle die junge Chen Wei, die von ihren geschiedenen Eltern schon früh in eine Tanzschule abgeschoben wurde. Tanz ist also alles, was ihr geblieben ist. Dann die Diagnose: Krebs! Ein Bein muss ab! Chen Weis Tänzerinnenkarriere ist damit beendet. Allerdings denkt Chen Wei gar nicht ans Aufgeben. Mit Beinprothese und Krücke ruft sie die Radioshow »Touching Starlight« ins Leben, mit der sie anderen Behinderten Mut machen will.

Das Low-Budget-Dilemma trifft den Film mit ganzer Wucht: die Kulissen sind extrem schlecht ausgeleuchtet, selbst wenn man tagsüber draußen dreht. Die Darsteller sind dann (wenn überhaupt) nur schemenhaft vor dem dunklen Hintergrund zu erkennen. Andersrum ist es auch nicht besser: Da filmt man dann mit Fenstern oder Lichtquellen im Hintergrund, die alles überstrahlen. Mit dem amputierten Bein macht man es sich außerdem etwas zu leicht. Da sieht man einen Chirurg mit einem Küchenbeil hantieren und in der nächsten Szene hat Chen Wei praktisch schon ihre Beinprothese. Da findet kein Übergang statt, so dass ich es Zhang Ziyi nie richtig abgenommen habe, dass sie eigentlich nur noch ein Bein haben soll.

Gerade zu Beginn ist der Film etwas holprig. Zhang Ziyi legt sich zwar trotz fehlender Erfahrung mächtig ins Zeug, aber das Drehbuch wirft ihr teilweise grottige Dialoge vor die Füße. Kostprobe gefällig? Chen Wei ist gerade mit ihrem Vater im Krankenhaus und wartet auf ihre Diagnose. Der am Boden bestürzte Vater will es ihr schonend beibringen. Vater: »Ab sofort wirst du nicht mehr tanzen können. Ob du nur noch ein Bein hast oder nicht ist mir egal. Ich will nur dich.« Chen Wei: »Warum? Warum? Warum werde ich nur noch ein Bein haben? Warum?« Vater: »Weil, weil (Kunstpause) weil du Krebs hast. Wenn dein Bein nicht amputiert wird, wird dich Papa verlieren.« Chen Wei: »Neeeeeiiiiin! Neeeeiiiiiiin!«

Zum Glück bessert sich das Schauspiel gerade auch von Zhang Ziyi im Laufe des Films erheblich. Ihr Talent wird ziemlich schnell deutlich, nur musste sie sich dafür eben erst warm spielen. Und so, obzwar gelegentlich zu schmalzig, hält einen der Film ganz gut bei der Stange. Die Emotionen werden nachvollziehbar dargestellt und obwohl man wenig von Chen Wei erfährt, gewinnt man sie lieb, leidet und freut sich mit ihr, weshalb einen das tragische Ende mit doppelter Wucht trifft.

Klar, Touching Starlight ist kein Meisterwerk, aber für einen Low-Budget-Film hat man das Beste herausgeholt. Neben technischen Mängeln und einer unerfahrenen Zhang Ziyi, die sich jedoch ziemlich schnell mausert, kann man eigentlich kaum klagen. Der Film ist ein kleines, durchaus wirkungsvolles Drama, das unaufgeregt und simpel die Geschichte eines tapferen Mädchens erzählt. Auf einer wahren Begebenheit beruht das Filmchen außerdem.

© Shaoshi, 4. Juli 2013
6/10

星星点灯 | Xing Xing Dian Deng
China • 1996 • 93 Min • TV-Drama
Regie | Sun Wenxue
Drehbuch | Sun Wenxue
Darsteller | Zhang Ziyi, Liu Chia-Yung, Chen Qiang

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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