Filmkritik | Beauty And The 7 Beasts (Hongkong, 2007)

Beauty And The 7 BeastsWenn einem nichts Neues mehr einfällt, macht man eben ein Remake. In diesem Fall schnappte man sich als Vorbild eine 70er-Jahre-Komödie und verlegte die Handlung des neuen Films, wahrscheinlich der Authentizität wegen, ebenfalls wieder in die 70er. Wer die von Wong Jing produzierte Komödie Beauty And The 7 Beasts sieht, könnte also ein Deja-vu-Erlebnis haben. Die mo lei tau-Anleihen, die sich der verrückte Film jedenfalls anmaßt, erinnern stark an die alten Hongkong-Komödien der 70er und 80er. Für Fans des Stils der unsinnigen Gags und wirren Aneinanderreihung von doofen Einfällen sollte Beauty And The 7 Beasts eigentlich ein gefundenes Fressen sein. Sollte…

Der abgehalfterte Schauspieler Teddy (Eric Tsang mit Mega-Koteletten) gerät in Geldnöte. Also unterrichtet er, gegen Bezahlung versteht sich, fünf unattraktive Vollidioten (u.a. Gordon Lam, Chin Kar-Lok, Lam Chi-Sin), die gern berühmte Sänger wären, in Sachen Coolness und Küssen. Dann taucht unverhofft die hübsche junge Pearl (Natalie Meng) auf, die sich als seine Tochter herausstellt. Kurz darauf sind aber die Handlungsstränge des seltsamen Unterrichts wie die der plötzlichen Tochter nicht mehr wichtig, denn Playboy Teddy, der endlich wieder eine Filmrolle angeboten bekommt, trifft auf seinen Rivalen Rocky (Nat Chan), der alles dran setzt, Teddy das Leben zu ruinieren, nachdem Rocky selbst einmal auf Teddys Vorschlag hin u.a. beim Verkauf von Regenmänteln in Saudi Arabien große Verluste eingefahren hat. Glücklicherweise hat Teddy inzwischen genügend Freunde um sich geschart, mit deren Hilfe er sein Haus, das ihm Rocky weggenommen hat, und seinen einstmals guten Ruf zurückholen will.

Eine konsistente Handlung hat Beauty And The 7 Beasts demnach schon mal nicht. Ständig läuft die Geschichte mal in diese, mal in jene Richtung. Das wirkt so, als hätte man einfach eine völlig neue Handlung geschrieben, sobald man der alten überdrüssig war. Einen roten Faden gibt es hier kaum. Ebenso sucht man hier genretypisch Tiefgang, Charakterzeichnung oder Sinn vergebens. Das wäre ja noch nicht einmal so schlimm. Der alberne Humor, der durchaus hie und da punkten kann, ist aber meistens eher unteres Niveau und zielt oft unter die Gürtellinie. In einer waschechten 70er/80er-Jahre-Komödie hätte das alles vielleicht noch ganz charmant gewirkt, doch für einen Film, der 2007 gedreht wurde, ist das Ganze doch ein wenig zu dürftig. Zudem zünden einige Gags überhaupt nicht, so dass der Zuschauer schon mal einige Durststrecken überbrücken muss, in denen sich der Film ziemlich zieht.

Dafür gibt es einige kleine Parodien auf andere Filme, etwa A Better Tomorrow, ein typisches Gespräch über das »in 30 Jahren vielleicht erfolgreiche« Infernal Affairs ganz in alter mo lei tau-Tradition, Seitenhiebe auf Bruce Lee und Alan Tam, einen Schwulen namens »Brokeback« und eine witzige, wenn auch infantile Transformers-Einlage mit Sesseln. Auch eine Sequenz, in der sich die Protagonisten nur noch singend unterhalten dürfen, kann mit ihrer Albernheit schon wieder überzeugen.

Mit viel Aufwand hat man die 70er-Jahre-Kulissen und –Outfits gestaltet, die alle schön klischeehaft bunt geworden sind und dem Zuschauer schon mal ein Schmunzeln entlocken können. Vor allem die vielen großen Pop-Art-Porträts von Eric Tsang und Nat Chan, die überall im Haus herumhängen, wissen auf ihre absurde Weise zu gefallen.

Insgesamt bietet Beauty And The 7 Beasts allerdings viel zu wenig Substanz, um als Hommage an alte Komödien, eine Persiflage oder gar als eigenständige Komödie brauchbar zu sein. Dem Film fehlt völlig an Charme, obwohl vor allem Teddys fünf doofe Zöglinge mit ihrer Dummheit schon hin und wieder ein leichtes Oldschool-Feeling aufkommen lassen können. Wenn dann sogar der Regisseur den Film unter einem Pseudonym drehen muss, um keine Häme auf sich zu ziehen, wird das Ganze nur umso fragwürdiger. Zum Glück geben uns alle Beteiligten im Abspann mit einer Gesangeinlage vor den Originalsets noch schnell zu verstehen, dass ihr Film große Klasse geworden ist, was fast schon wieder zynisch klingt, aber wie ein gut gesetzter Rausschmeißer wirkt. Trotz allem bleibt der Zuschauer, selbst der Fan, mit sehr gemischten Gefühlen zurück. Wer schon von vornherein weiß, dass er nicht auf solch sinnlose Komödien steht, der sollte sich Beauty And The 7 Beasts also besser gleich ganz sparen.

© Shaoshi, 11. Januar 2008
4/10

七擒七縱七色狼
Hongkong • 2007 • 105 Min. • Komödie
Produzent | Wong Jing, Eric Tsang Chi-Wai
Regie | Zhong Qing
Darsteller | Eric Tsang Chi-Wai, Natalie Meng Yao, Nat Chan Pak-Cheung, Jo Koo, Gordon Lam Ka-Tung, Eddie Cheung Siu-Fai, Chin Kar-Lok, Wong Cho-Lam, Lam Chi-Sin, Eileen Tung Oi-Ling, Emily Kwan Bo-Wai, Wong Tin-Lam, Winnie Leung Man-Yi, Candy Yu On-On, Chiu Tung, Ankie Beilke, Ada Wong Chi-Hom, Lam Suet

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com
#0181

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