Filmkritik | Kung Fu Hip Hop (Hongkong, 2008)

Kung Fu Hip HopDarauf hat die Welt gewartet – fette Beats, krasse Moves und coole Typen aus China. Kein Wunder, dass der hochkommerzielle Tanzfilm Kung Fu Hip Hop seinerzeit in aller Munde war. Doch was ist dran am Hype? Ist der Film wirklich so toll? Oder waren lediglich die Marketinginstrumente stark genug, um mir was vorzugaukeln? Wir ahnen, es tendiert zu letzterem.

Für diese Kommerzkiste schlüpft Fan Bingbing in die Rolle von DJ Tina, die in einem angesagten Pekinger Club für Tänzer Shaoxiong (Poppin Hyun-Joon) auflegt. Weil sie von dem Poser offensichtlich genauso genervt ist wie die Zuschauer, die nicht gerade auf den blondierten koreanischen Entertainer stehen, ist sie für Abwechslung dankbar. Die bekommt Tina, als sie zufällig Automechaniker Chu Dong (Jordan Chan) beim Tanzen sieht. Sie ist sich sicher: Sie muss Chu Dong wieder finden.

Chu Dong indes hat andere Probleme: Die Eltern tot, die kleine Schwester Ya Ya (Wang Yue) nicht nur fast blind, sondern auch noch mit gebrochenem Bein im Krankenhaus – eine lebensbedrohliche Situation, versteht sich. Chu Dong braucht Geld für die Behandlung. Ihm bleibt also nichts anderes übrig, als beim nächsten Tanzwettbewerb teilzunehmen. Gottseidank entwickelt sein Körper sowieso ein Eigenleben, sobald irgendwo ein geiler Beat ertönt. Also trainiert er mit seinen Mechanikerkumpels (Chinas Tanzgruppe Kung Fu Pop (Alternativtitel)) und formt mit ihnen die Gruppe »Kung Fu Kid«, die Tanz und das Kung Fu von Chu Dongs Großvater ineinander vereint. Shaoxiong gefällt diese neue Konkurrenz weniger. Es kommt zum Showdown auf der Bühne.

Auf der positiven Seite hätte der Film immerhin die winterliche Pekinger Kulisse zu bieten, die kühl und relativ schäbig rüberkommt und dem Film ein passendes Flair verleiht. Die meisten Tanzszenen sind außerdem ganz sehenswert geworden. Der Streetdance passt ins Setting und kommt lässig und kreativ inszeniert rüber – wenn stellenweise auch zu selbstverliebt. Ein bisschen wenig Lob für einen guten Film? Nun, Kung Fu Hip Hop ist ja auch kein guter Film.

Wenig Handlung, viel Getanze und Gepose – so gehört es sich für einen Tanzfilm, ganz besonders, wenn dieser mit Hip Hop wirbt. Mit Hip Hop hat die Musik im Film zwar weniger zu tun, aber auf übertrieben cool ist der Streifen trotzdem getrimmt. Um dem Ganzen noch eines draufzusetzen, stopft man noch den Kung-Fu-Aspekt in den Film. Kung Fu zieht nämlich immer und warum nicht Kampf und Tanz miteinander verbinden? Ist zwar sinnlos und schlägt sich teilweise in Wirework selbst in den Tanzszenen nieder, aber immerhin darf Eastern-Altstar Chen Kuan-Tai ein paar CGI-Erdnüsse zerbröseln. Man merkt’s: Kung Fu Hip Hop will so cool sein, dass der Film teilweise schon wieder unfreiwillig lächerlich wirkt. Lächerlich wirkt übrigens auch das Casting des über 40-jährigen Jordan Chans. Er kann tanzen und passt auch optisch in den Film, nur ist er zwanzig Jahre zu alt dafür – und das merkt man ihm auch an. Das Storytelling ist auch eher doof (man bedenke das Drama um Ya Ya), passt aber in den Rahmen.

Für die jugendliche Zielgruppe ist Kung Fu Hip Hop gelungen, allerdings hätte man dieser ruhig etwas mehr zumuten dürfen als eine ausgelutschte dünne Handlung, stereotype Figuren und mangelnde Spannung. Wer mit »coolen« Jungs in weiten Hosen nichts anfangen kann, dürfte sich außerdem schwer tun.

© Shaoshi, 30. Mai 2013
5/10

精舞门 | Jing Mou Moon
Hongkong • 2008 • 89 Min. • Tanzfilm
Regie | Fu Huayang
Drehbuch | Ning Cai-Shen
Darsteller | Fan Bing-Bing, Jordan Chan Siu-Chun, Nam Hyun-Joon, Chen Kuan-Tai, Wang Yue, Gao Min, Yang Yang, Pan Xiaoting, Xing Aowei, Zhao Wenqi

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com
#0409

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