Film | Love @ First Note (Hongkong, 2006)

Love @ First NoteIn Dennis Laws Love @ First Note dreht sich alles um Musik, vornehmlich Cantopop. Da wird komponiert, gesungen, aufgenommen und verkauft. Ist ja auch kein Wunder, wurde der Film doch von Gold-Label-Kopf Paco Wong produziert. Das Jugenddrama ist also vornehmlich ein überlanger Werbespot für diverse Stars. Da bleibt gerade noch so Platz für eine Dreiecksbeziehung. Ob das reicht, um trotzdem unterhaltsam zu sein?

Love @ First Note
恋爱初歌

Gold Label besitzt Stars wie Justin Lo, Alex Fong und die Cookies. Genau jene Goldeselchen, die sich auch in Love @ First Note tummeln. Nicht unbedingt zufällig. Co-produziert wurde der Streifen nämlich von Paco Wong und der wiederum ist Kopf von Gold Label. Man sieht schon, gutes Marketing ist alles, und so dürfte Love @ First Note einen jeden Fan der oben genannten Sänger zum DVD-Kauf animieren. Der Rest kann sich das allerdings sparen. Und somit dürfte bei uns wohl nur eine Handvoll Zuschauer zu gewinnen sein. Wenn überhaupt.

Da Liebesdreiecke in asiatischen Jugendfilmen wichtig sind, basiert auch die Figurenkonstellation in Love @ First Note auf einem solchen. Allerdings so vage, dass man es kaum wahrnimmt. An der ersten Spitze des Dreiecks steht Kei (ewiger Mützenträger Justin Lo). Der Sohn einer Näherin (Tien Niu) hat nicht nur eine unentdeckte Goldstimme sondern auch ein Händchen fürs Songschreiben. Nun wäre naheliegend, dass Kei seine Songs selber singen würde, doch stattdessen verkauft er sie an die Hobby-Band Silver Mosquitoes um Leadsänger Jack (Keith Lee).

Keis langjährige beste Freundin ist Kristy (Cookie-Member Kary Ng), welche die zweite Spitze des Dreiecks besetzt. Die junge Frau hat sich der Musik und punkigen Klamotten verschrieben und arbeitet aus diesem Grund im Second-Hand-Plattenladen vom verschrobenen Lobo (Tats Lau).

An der dritten Spitze des Dreiecks steht der vornehm gekleidete Tony (Alex Fong), der gern in Kristys Plattenladen shoppt und in Bars Musik hört — vornehmlich die der Silver Mosquitoes. Tony wäre selbst gern Teil einer Band, kann in der Szene allerdings nicht so recht Fuß fassen. Kristy fühlt sich schnell zu Tony hingezogen und wechselt für ihn sogar schon einmal ihr schwarzes Outfit gegen ein mädchenhaftes Blumenkleid. Die anderen, d.h. Jack und seine aus Eimern saufende Clique, lehnen den reichen Schnösel — und konsequenterweise dann auch Kristy — kategorisch ab. Denn wenn Jack Kristy nicht als Freundin vorweisen kann (und das würde er gern), dann soll Tony es auch nicht so einfach haben.

Natürlich sind das alles nur dramaturgische Rahmenbedingungen, um den Stars die Möglichkeit zu bieten, in einem Medium, das einem Film ähnelt, ihre Produkte zu bewerben — in diesem Fall Musik. So geht Love @ First Note durchaus als Musikfilm durch, bei so viel eingestreutem Cantopop. Und der läuft nicht nur im Hintergrund, sondern vornehmlich auf Bühnen, gesungen von Hobbysängern in Bars, durch die unsere Figuren so tigern. Kei singt schon mal ein bisschen, wenn er seine Songs schreibt, die Silver Mosquitoes geben auch mal was zum Besten, Tony nimmt Songs im Plattenstudio auf und zuletzt tritt Lobo mit Tony, Kei und Kristy bei einem Band-Contest an.

Zum Karaoke geht’s natürlich auch, wo die Macher doch tatsächlich die Gelegenheit ausnutzen, einen weiteren ihrer Filme anzupreisen. Gesungen wird also ziemlich oft und wer mit Cantopop nichts anfangen kann, dürfte hier so seine Schwierigkeiten haben. Die Schmusesongs, die man hier so hört, haben nämlich rein gar nichts mit der Musik zu tun, die man erwartet hätte, wenn man hört, dass es um Hobby-Bands und punkig gekleidete Mädchen geht.

Wer Cantopop und den entsprechenden Sängern nicht abgeneigt ist, dürfte hier seine wahre Freude haben. Schade, dass man bei all der Marketingstrategie vergessen hat, dass es auch Leute gibt, die sich Filme aus anderen Gründen ansehen. Die teilweise ganz schön zäh erzählte Story ist deshalb sehr, sehr oberflächlich gehalten und zieht sich belanglos durch den Film. Brauchbare Ansätze sind zwar vorhanden, die bleiben aber so nebensächlich, dass es zum Heulen ist.

Lam Suet als Kristys nichtsnutziger Vater spielt nämlich eine starke Rolle, von der man gern mehr gesehen hätte, aber außer hier und da mal im Bild zu gammeln, um Kristys tragische Familiensituation anzureißen, hat er leider nichts zu tun. Tien Niu als Keis alleinerziehende Mutter hat es sogar noch schlechter. Dabei sind die Szenen mit den Eltern doch mit die stärksten Szenen im Film. Die Jungstars — und damit sind vor allem Hauptdarsteller Justin Lo und Kary Ng gemeint — interpretieren ihre Rollen relativ souverän. Nur Alex Fong spielt — wie gewohnt — extrem steif. Zu seiner Verteidigung muss man allerdings sagen, dass seine eindimensionale Rolle schon auf dem Papier nicht gerade vor Lebendigkeit sprüht.

Fazit

Love @ First Note ist nicht grottenschlecht, aber mit mehr Geschichte und weniger Marketingstrategie wäre definitive mehr herauszuholen gewesen. So konzentriert sich Love @ First Note auf die jugendlichen Fans der Stars und vernachlässigt das restliche Publikum. Das ist Fan-Service der Extraklasse, der in sinnlosen Cameo-Rollen seinen Höhepunkt findet. Wer harmlosem Cantopop etwas abgewinnen kann und den ein oder anderen Sänger mag (was in unseren Gefilden wohl eher selten vorkommt), ist bei Love @ First Note gut aufgehoben. Der Rest sollte nur aus echter Neugier reinschauen — wenn überhaupt. Wer Vorurteile gegen Hongkongs Popmusik und die zugehörigen Stars hat, wird mit dem Film sowieso nicht warm werden.

© Shaoshi, 28. Mai 2011
4/10

Und wie gefällt Euch der Film?

恋爱初歌 | Luen Oi Chor Gor
Hongkong • 2006 • 94 Min. • Jugenddrama
Regie | Dennis Law Sau-Yiu
Drehbuch | Dennis Law Sau-Yiu
Darsteller | Justin Lo, Kary Ng Yiu-Fei, Alex Fong Lik-Sun, Lam Suet, Tats Lau Yi-Tat, Tien Niu, Keith Lee, Stephy Tang Lai-Yun, Theresa Fu Wing, Miki Yeung Oi-Gan, Sasha Hou Sa-Sa, George Lam Chi-Cheung, Leo Ku Kui-Kei

Cover-Quelle: movie.douban.com

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