Film | Sex And The Beauties (Hongkong, 2004)

Sex And The BeautiesEine Psychotherapeutin, die selbst keine Beziehung auf die Reihe bekommt. Eine schwer vermittelbare, da potthässliche Tochter. Eine zynische Erotikbuchautorin. Eine furchtlose Draufgängerin. Ein verweichlichter Triadenboss. Ein viel zu junges Mannsbild. Hui Siu-Hung. Soll Wong Jings Komödie Sex And The Beauties allen Ernstes die chinesische Antwort auf die US-Hit-Serie Sex And The City sein? Und wo, bitte, bleibt die Handlung?

Sex And The Beauties
性感都市

Dem Hongkong-Streifen Sex And The Beauties eilt ja gern der Ruf voraus, er sei so was wie die chinesische Antwort auf die amerikanische Hit-Serie Sex And The City. Wie sich dann herausstellt (und man fast schon ahnte), haben die beiden Werke, außer dass es sich jeweils um eine Gruppe weiblicher Singles in der Großstadt dreht, nicht viel gemein.

Das ist einerseits gut, weil man Sex And The Beauties so nicht den Vorwurf des bloßen Kopierens machen kann; andererseits fehlt dem Film natürlich alles, was sein indirektes Vorbild aus den Staaten so erfolgreich gemacht hat. Und das ist schlecht. Noch schlechter ist es, wenn das Ganze dann noch nicht einmal von einer Handlung zusammengehalten wird.

Selina (Carina Lau) kann als erfolgreiche Psychotherapeutin jeden Menschen durchschauen, nur bei den eigenen Beziehungen reicht die Gabe nicht aus. Deshalb ist sie immer noch Single, als ihr Ex-Freund Ken (Kenny Bee) sie darum bittet, bei der Erziehung seiner Tochter Yuki (Cecilia Cheung) unter die Arme zu greifen. Das entpuppt sich als schwerer als gedacht, denn Yuki ist nicht nur ganz schön eigensinnig und ungehobelt, sondern auch noch potthässlich und macht ihrem Bodyguard (Andy Hui) erst Probleme und dann schöne Augen.

Inzwischen fühlt sich Selina aber auch zu einem ihrer neuen Patienten hingezogen; und zwar zu Gutsie (Tony Leung Ka-Fai), einem verweichlichten Triadenboss, der regelmäßig bei ihr vorbeischaut, um sich auszuheulen, und eigentlich auch gar kein Gangster sein möchte.

Auch die Frauen aus Selinas Freundeskreis sind (frustrierte) Singles: Die liebestolle Philadelphia (Athena Chu), die sich ihre Brötchen mit dem Schreiben erotischer Romane verdient, verguckt sich z.B. gleich in zwei Männer, von denen der eine viel jünger als sie und gar nicht so leicht zu verführen ist (Edison Chen) und der andere vom unscheinbaren, maulwurfsgesichtigen Hui Siu-Hung verkörpert wird. Dann gäbe es noch Club-Besitzerin Danger (Yoyo Mung), an die sich eben ein Typ (Lu Yi) ranmacht, der sich in allerlei gefährliche Situationen begeben muss, um Dangers Herz und eine Wette zu gewinnen.

Man sieht schon, Handlung gibt es bei Sex And The Beauties keine. Das wäre ja noch nicht mal so schlimm, würde man die Figuren wenigstens in irgendwelche interessante, lustige oder anderweitig unterhaltsame Situationen stecken. Doch nichts dergleichen. Alles, was den Frauen hier so widerfährt, hat man schon in Tausend anderen Filmen gesehen. Außerdem wird vieles hier ziemlich lustlos durchgekaut, und humoristisch auf arg angestaubtem Niveau zelebriert, über das heute höchstens noch Wong Jing selber lacht. Am ehesten zünden hier noch die Gags rund um Tony Leungs Gangsterfigur, doch verkommt der zur wenig präsenten Randfigur und bedient sowieso ein Thema, das nun nicht unbedingt etwas in einem Sex And The City-Verschnitt zu suchen hat.

So banal die Erlebnisse der Grazien sind, so langweilig sind die Figuren selbst. Hauptfigur Selina lebt allein durch Carina Laus charismatisches Spiel, interessiert sonst aber nicht die Bohne. Athena Chu spielt lebhaft, nur leider nicht gerade eine sympathische Rolle. Yoyo Mung als Danger bleibt mehr als nebensächlich, was für den ganzen angerissenen Plot um ihren wetteifrigen Verehrer gilt.

Warum Cecilia Cheung, deren Figur noch am ehesten Charakter zeigt, den halben Film über schwarze Zähne und zusammengewachsene Augenbrauen zur Schau tragen muss, lässt sich wohl nur durch Wong Jings schlechten Geschmack begründen. Zu allem Übel läuft das Fazit für Cecilia Cheungs grauenvolle Figur auch noch darauf hinaus, dass es ja gar nicht das Äußere ist, was zählt, weshalb Yuki nach groß angelegtem Umstyling im Off zwar bildhübsch aber charakterlich nur umso fader daherkommt.

Auch auf Seiten der Männer bleibt es blass — so weiß ich denn auch nicht, was ich von Andy Hui zu halten habe, der hier irgendeinen mausgrauen Bodyguard spielt und vielleicht dreimal im Film den Mund auftut (zumindest kommt es einem so vor); Edison Chen spielt einen milchbubigen Hosenscheißer, bei dem fraglich ist, was Philadelphia überhaupt in ihm sieht, und Hui Siu-Hung als stänkernder Unsympath dürfte auch nicht gerade Frauenfantasien bedienen. Dass all diese langweiligen, blöden Figuren in einem konstruiertem Happy End tatsächlich alle zu ihrem Glück kommen, gibt dem Zuschauer dann noch den Rest.

Wenn man schon den Vergleich zu Sex And The City ziehen muss, glänzt Sex And The Beauties nicht gerade mit gewitzten Dialogen, prickelnden Situationen oder Glamour-Flair. Auch der eher biedere Umgang mit dem Titelthema zeigt, dass Chinesen die Materie offensichtlich längst nicht so unkonventionell aufarbeiten können wie im Westen. Dementsprechend dürfte jeder amerikanische Animationsfilm mehr Zweideutigkeiten aufweisen als das harmlose Sex And The Beauties, dessen Höhepunkt vermutlich die gar nicht lustige Szene darstellt, in der Selina mit Hilfe eines Kissens auf dem Sofa nachstellt, wie sie einen Mann verführen würde. Gähn.

Fazit

Sex And The Beauties ist ein Schuss in den Ofen. Schöne, namhafte Darsteller/innen führen als langweilige Figuren banale Dialoge und ein ebenso banales Leben. Es geht um nichts, es passiert nichts und wird auch noch ziemlich lustlos runtergerissen. Das gilt zwar nicht für die Schauspieler, die sich durchaus bemühen, aber für den ganzen Rest — angefangen beim faden Drehbuch.

Die verrückte Geschichte um Tony Leungs Figur sorgt zwar noch für einen Lichtblick, kann in der grauen Alltagspampe jedoch auch nichts mehr herausreißen. Ohne den Allstar-Cast und die Aussicht auf einen willkommenen, asiatischen Sex And The City-Abklatsch würde Sex And The Beauties vermutlich überhaupt niemanden interessieren. Kaum zu glauben, dass es trotz allem noch witz- und belanglosere Filme gibt als diesen hier.

© Shaoshi, 2. Juni 2010
3/10

Und wie gefällt Euch der Film?

性感都市 | Sing Gam Diy Shut
Hongkong • 2004 • 100 Min • Komödie
Alternativtitel | Love And The City / Asks For A Love Lot
Regie | Wong Jing
Drehbuch | Wong Jing
Darsteller | Carina Lau Ka-Ling, Cecilia Cheung Pak-Chi, Edison Chen Koon-Hei, Athena Chu Yan, Pinky Cheung Man-Chi, Tony Leung Kar-Fai, Andy Hui Chi-On, Hui Siu-Hung, Yoyo Mung Ka-Wai, Kenny Bee, Philip Keung Ho-Man, Patrick Tang Kin-Won, Wong Tin-Lam, Cheng Pei-Pei, Isabel Chan Yat-Ning, Lee Kin-Yan, Zuki Lee Si-Pui

Cover-Quelle: movie.douban.com
#0206

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