Serienkritik | Green Forest, My Home (Taiwan, 2005)

Green Forest, My HomeTaiwanesische Idol-Serien sind ja nicht Jedermanns Geschmack, aber was einem bei Green Forest, My Home geboten wird, ist wirklich allerunterster Kajüte. Die altbewährte Story wird dermaßen lustlos durchgekaut, dass die Serie noch nicht einmal Trash-Qualitäten entwickelt. Nach den ersten zehn Minuten der ersten Folge kann sich bereits jeder Zuschauer selbst zusammenkonstruieren, wie die Geschichte wohl weiter- und vor allem ausgeht, und sollte an dieser Stelle am besten auch schon wieder abbrechen, wenn man nicht ein Hardcore-Fan solches Serienmurkses ist.

Sophie wächst zusammen mit ihrer großen Adoptivschwester Susan in einer wohlsituierten Familie auf. Ihr bester Freund ist ihr Nachbar Owen, der ihr stets zur Seite steht (und freilich heimlich in sie verschossen ist). Als ein neuer Schüler, der mehr als wohlhabende William nämlich, an die Grundschule kommt, verlieben sich Sophie und William (wohlgemerkt im Grundschulalter!) unsterblich ineinander. Doch das Glück währt nicht lange. Nicht nur William, auch Owen zieht weg und Sophie bleibt allein zurück.

Das 0815-Schema um eine Liebe zu Kinderzeiten wird dem Zuschauer zu jeder erdenklichen Gelegenheit in den Schädel gehämmert. Denn auch wenn inzwischen alle erwachsen sind, halten sowohl Sophie (Esther Liu) als auch William (Leon Jay Williams) und Owen (Ethan Ruan) immer noch an ihrer Liebe aus der Kindheit fest. Und so ist es denn auch nicht verwunderlich, dass Owen und William bald schon nach Taiwan zurückkehren. Owen ist inzwischen ein berühmter Geigenspieler, der seine wahre Identität erst einmal zum Spaß geheimhält. William wurde nach dem Tod seines Vaters zum Executive Director einer Elite-Musikschule ernannt. Freilich stolpern sich Sophie, William und Owen ständig über den Weg, denn Sophie ist inzwischen Lehrerin an einer kleinen Schule mitten im Wald, die nicht nur widerwärtig kitschig gestaltet sondern auch noch mit einer Handvoll nervtötender überemotionaler Kinder bevölkert ist. Diese Schule gehört leider auch zur teuren Spencer-Schule, die William regiert, weshalb es zwischen ihm und Sophie ständig zu Spannungen und einer unerträglichen Reihe an Missverständnissen kommt, die es ihnen unmöglich macht, einander näher zu kommen, obwohl sie eigentlich genau das wollen.

Das Setting in Green Forest, My Home ist einfach nur abgedroschen. Man lässt wirklich keine Gelegenheit aus, wichtige Zusammentreffen ganz dem Standard entsprechend in Zeitlupe und mit pathetischer Musik und dramatischen Kamerafahrten zu dokumentieren oder Sophie und William bzw. William und seinen Gegner Owen abartig keifend miteinander streiten zu lassen. Dabei sind die Figuren noch nicht einmal liebenswert porträtiert, sondern bleiben allesamt blasse Figuren mit mehr als oberflächlich gezeichneten Persönlichkeiten. Dass Susan (Song Zhi Ai) erst einmal intrigiert und sich William schnappt, ist klar, dass Owen und William beide um Sophie kämpfen ebenso. Und logisch auch, dass mal wieder alle reich sind und William in einem strengen distinguierten Umfeld zum Geschäftsmann aufgewachsen ist und so keinen Sinn für seine Gefühle hat, während Sophie doch eher das vorlaute Mädchen mit menschlichen Prinzipien ist.

Gegen Ende der Serie wird dann ein weiteres standardisiertes Ärgernis in die Serie eingeflochten: Jemand leidet plötzlich an einer schweren Krankheit und muss eigentlich im Krankenhaus bleiben, will das der Dramatik halber aber nicht. Ob die kranke Hauptfigur stirbt oder überlebt, sei an dieser Stelle nicht verraten. Fakt ist jedoch, dass das idiotische Ende einfach nur nervt.

Was die Serie auch noch weiter nach unten zieht, sind die vielen Szenen mit Kindern, die dem Zuschauer völlig unrealistisch einhämmern wollen, dass man von Kindern noch einiges lernen kann. Da helfen sich die auf zwei Seiten stehenden Kinder plötzlich lieber beim Staffellauf als um den Sieg zu kämpfen, der ihnen eigentlich den Fortbestand der geliebten Schule im Wald gesichert hätte. Da wird ein Beinkrampf zur ernstlichen Bedrohung, während die Erwachsenen bei einer brennenden Schule dann doch lieber lächelnd daneben stehen und darüber philosophieren wie die Kinder mit vereinten Kräften versuchen das Feuer zu löschen.

Auch die Schauspieler überzeugen gar nicht. Leon Jay Williams grinst immer nur halb debil in die Kamera und mischt (wohl wegen seiner sehr internationalen Abstammung) ständig pathetische Sätze auf Englisch in seine Texte, die wie auswendig gelernt heruntergeleiert klingen und recht peinlich wirken. Esther Liu tut das, was sie am besten kann und scheinbar in jeder Serie auch exzessiv tut: keifen und schreien. So kann man eine Figur einfach nicht lieb gewinnen. Song Zhi Ai spielt extrem hölzern die böse Schwester und das, obwohl ihre Figur eigentlich mehr Potential als die der Sophie gehabt hätte. Ethan Ruan verwechselt Schauspielern damit, uns sein gutes Aussehen unter die Nase zu reiben und auch David Chen spielt viel zu steif und hat mit seiner Rolle als Williams Gegner auch noch einen ziemlich blöden Part. Der Rest der Darstellerriege ist nicht einmal im Ansatz erwähnenswert, zumal sie auch für die Story ziemlich unbedeutend sind.

Wenn also die Story und die Darsteller nicht gut sind, kann man normalerweise nur noch mit Humor punkten. Aber selbst der fällt in Green Forest, My Home kaum auf. Mit entsprechend dümmlicher Musik untermalt geraten die Figuren zumeist in peinliche Situationen und rollen dann nervös ein wenig mit den Augen. Das ist nicht lustig, ja noch nicht einmal anderweitig unterhaltsam.

Green Forest, My Home fällt also durch so ziemlich jedes Raster. Die Story ist platt, abgedroschen, mehr als konstruiert und deswegen in jeder Szene vorhersehbar. Die Figuren sind blass und nerven zumeist nur. Die meisten agieren viel zu naiv und viel zu pathetisch und trotz aller Klischees nur wenig nachvollziehbar. Ihr ewiges Zögern, ihr Sturstellen und ihr Gestreite bläst die Serie unnötig auf. Statt fünfzehn überlangen Folgen hätten es auch fünf kurze getan. Wer eine übermäßige Portion Kitsch, klebrige Hintergrundmusik und Plattitüden ertragen kann, nicht älter als vierzehn ist und wem auch Esther Lius ständiges Gekeife nichts ausmacht, der kann ja mal einen kurzen Blick riskieren, um sich selbst ein Bild von der Misere zu machen. Alle anderen sollten wirklich die Finger von Green Forest, My Home lassen. Denn auch im Sektor Idol-Drama und/oder romantischen Komödien gibt es definitiv Qualitätsunterschiede. Und Green Forest, My Home ist da ganz weit unten angesiedelt.

© Shaoshi, 7. März 2009
3/10

綠光森林 | Lu Guang Sen Lin
Taiwan • 2005 • Romanze [Serie]
Episoden | 15 Episoden à ca. 70 Min.
Darsteller | Leon Jay Williams, Esther Liu, Song Zhi Ai, Ethan Ruan, David Chen, Liang Xiu Zhi, Lin Ke Wei, Kido, Huang Ruo Bai, Bu Xue Liang, Chen You Fang, Joanna Feng, Cai Li Qun, Lin Xiu Jun, Yao Kun Jun, Fan Zong Pei, Ishii Mika, Zhao Zhong Ting, Shi Yu Yan, Zheng Ling Yun, Lin Zheng Xun, Wang Ming Yi, Zhan Jia Nuo, Xiang Bo Tao, Wu Yan Xuan

Und wie gefällt Euch die Serie?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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2 Gedanken zu “Serienkritik | Green Forest, My Home (Taiwan, 2005)

  1. 放鬆D啦,香港人。其實講到尾,人又點會完全唔在乎他人的想法?不過要揀人來在乎,唔係就算你點叻,都應付唔到咁多個。「太感動了,終於有受教的時候。」å–‚å–‚,唔好搞到半途畀人踢出校……P.S. 剛寫完今天的 blog 就收到 comments,嚇得我,以為又有午餐肉。好彩係你。

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