Film | Love In Space (Hongkong, 2011)

Love In SpaceLiebe kann dir immer und überall passieren – in einem Café in Peking, mit einem Müllmann in Sydney, ja, sogar im Weltraum oder im Alter. Wing Shyas und Tony Chans romantische Komödie Love In Space erzählt die Geschichten einer Mutter und ihrer drei erwachsenen Töchter, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Ist das witzig? Ist das unterhaltsam? Ist der Hype berechtigt? Und: Ist das noch Hongkong?

Love In Space
全球热恋

Nach der romantischen Komödie Hot Summer Days nimmt sich 20th Century Fox erneut einer chinesischen Produktion an und lässt den halben Cast aus dem indirekten Vorgänger noch einmal auflaufen. Durch die relativ plumpe Amerikanisierung wird man massenkompatibel und zwar auch über die asiatischen Grenzen hinaus. Kein Wunder also, dass Love In Space neben Peking auch in Sydney und sogar im Weltraum spielt.

So exotisch das nun klingen mag (ui, Weltraum!), so sehr geht genau dieser Ausflug in die Hose. Denn eine der Hauptfiguren, Rose (Rene Liu), ist Astronautin und gerade auf einer nicht näher erklärten Mission auf dem Weg zum Mond. Ihr einziger Begleiter ist ausgerechnet ihr alter Verflossener Michael (Aaron Kwok). Nun haben sie auf so einer teuren Mission im All scheinbar nichts anderes zu tun, als über ihre einstige Beziehung nachzusinnen und eventuell wieder zusammenzukommen. Und das ist reichlich öde.

Überhaupt ist die ganze Weltall-Geschichte wohl nur dazu da, einen Bezug zum Titel herzustellen und ein paar mittelmäßige Schwerelosigkeitseffekte einzustreuen. Die Dialoge von Rose und Michael sind so uninteressant wie die beiden Figuren. Hier will einfach kein Funke überspringen — von mir aus können die beiden für immer im Weltraum bleiben und sich über Nichtigkeiten zanken oder pathetisch über die Liebe sinnieren. Aber müssen sie das auch auf dem Bildschirm tun?

Die Geschichte im Weltraum, die wohl als besonderes Schmankerl gedacht war, ist somit ein echter Störfaktor, der das Geschehen auf der Erde unangenehm unterbricht. Schlimmer noch, zugunsten des Weltall-Trallalas müssen die anderen drei Geschichten zurückstecken, was leider bedeutet, dass die Liebesgeschichten um Roses Schwestern Lily (Guey Lun-Mei) und Peony (Angelababy) sowie um ihre Mutter (Xu Fan) arg kompakt gefasst werden müssen. Dabei sind diese Handlungsstränge doch um einiges interessanter, als das Nichts in unendlichen Weiten.

Liebe kann dir immer und überall passieren

Da hätten wir nun Peony (Angelababy), die gerade den »Worst Actress Award« verliehen bekommen hat, sich aber nicht unterkriegen lässt. Für ihre neue Rolle will das verzogene Gör inkognito in einem ganz normalen Pekinger Café jobben, um sich im neuen Film wie eine ganz natürliche Kellnerin zu verhalten (was das nun bringt, angesichts der Tatsache, dass sich der neue Film als ein überdrehtes Musical entpuppt, sei mal dahingestellt).

Allerdings verguckt sie sich ziemlich schnell in ihren Kollegen und Hobbyautoren Wen Feng (Jing Boran), obwohl ihr Schauspielerinnenvertrag es ihr verbietet, sich in den nächsten Jahren zu verlieben. Da ist Herzschmerz vorprogrammiert. Jedoch erzählt die Geschichte kaum etwas Unbekanntes und Angelababy ist mit ihrer doofen Perücke auch eher zum Davonlaufen.

Trotzdem fühlt man sich ganz gut unterhalten. Die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern stimmt nämlich und so unschuldig die Liebe zwischen den beiden verkorksten Künstlern auch ist, so niedlich ist sie irgendwie auch. Liegt vielleicht auch an den Melonen, die Wen Feng ständig durch ein Peking karrt, das hier endlich wieder einmal etwas bodenständiger wirkt als in all den Luxus-Romanzen aus China.

Um einiges stärker ist jedoch die Geschichte um Peonys Schwester Lily (Guey Lun-Mei), die als gescheiterte Kunststudentin ihr Leben in Sydney fristet. Ihre krankhafte Angst vor Schmutz und Bakterien macht ein normales Leben fast unmöglich und ein Liebesleben nicht so einfach. Genau dieses bahnt sich allerdings an, als ihr ausgerechnet Müllmann Johnny (Eason Chan) über den Weg läuft. Ohne Frage ist dies die stärkste Geschichte, die in Love In Space erzählt wird.

Die beiden Figuren muss man einfach gern haben. Guey Lun-Mei gefällt als zwangsgestörte junge Frau, auf deren Kosten zwar die meisten Lacher gehen, aber deren Angst auch immer ernsthaft genug dargestellt wird, um nicht ganz zur Witzfigur zu verkommen. Eason Chan spielt als der bodenständige Müllmann alle anderen an die Wand. In solch einer Hochform (und ganz ohne Overacting!) haben wir ihn wohl noch nie gesehen. Obendrein stimmt die Chemie zwischen den beiden perfekt, so dass es hier wirklich schade ist, dass man für den Handlungsstrang nur so wenig Zeit zur Verfügung hat.

Zeitlich noch knapper sieht es bei der Geschichte um die Mutter (Xu Fan) aus, die so dermaßen am Rande erzählt wird, dass sie kaum als eigener Strang erkennbar ist. Alls alleinstehende Frau lernt sie gerade das Kochen und hat schon einen Verehrer — Peonys Fahrer Uncle Hua nämlich. Da hätte man was Interessantes zum Thema Beziehung zwischen älteren Semestern machen können, doch entscheidet man sich lieber dazu, durch die Mutter krampfhaft die einzelnen Handlungsstränge zusammenzuhalten. Zwar telefoniert die Mutter gelegentlich mit ihren Töchtern und hat zumindest zwei der drei Grazien zuletzt bei einem großen Festessen zu Gast, doch als richtiger Berührungspunkt der einzelnen Geschichten dient das nur leidlich.

Fazit

Produziert von Preisträger Fruit Chan erzählen uns Regisseure Tony Chan und Wing Shya die lose zusammengehaltenen Geschichten diverser Menschen, die auf der Suche nach der großen Liebe sind. Die romantische Komödie ist zwar formelhaft (Eason Chans Klo-Szene erinnert mich z.B. an Ben Stillers lahmes Klo-Dilemma aus …Und dann kam Polly), aber durchaus sehenswert. Das haben wir größtenteils den Darstellern zu verdanken, allen voran Eason Chan und Guey Lun-Mei, die ihre Rollen mit Herz und Verstand spielen und auch ganz nette Liebesgeschichten durchlaufen, wenn auch zeitlich etwas knapp bemessen.

Zwischendurch wird es aufrichtig witzig und die Emotionen und Reaktionen der Figuren wirken natürlich und nachvollziehbar. Mal abgesehen von dem öden Handlungsstrang im Weltall kann man sich bei Love In Space wirklich ganz gut amüsieren, wenn auch absolut anspruchslos und ohne allzu große Überraschungen. So un-chinesisch wie der Film nun ist und trotz der Tatsache, dass der Hongkong-Film (außer einigen Beteiligten) rein gar nichts mehr mit Hongkong zu tun hat, zählt er doch zu den besseren Werken, die in der letzten Zeit von dort gekommen sind.

© Shaoshi, 10. November 2012
7/10

Und wie gefällt Euch der Film?

全球热恋
Hongkong • 2011 • 104 Min • Romantische Komödie
Regie | Wing Shya, Tony Chan Kwok-Fai
Drehbuch | Tony Chan Kwok-Fai, Lucretia Ho
Darsteller | Aaron Kwok Fu-Shing, Rene Liu, Xu Fan, Eason Chan Yik-Shun, Guey Lun-Mei, Angelababy, Jing Boran, Liu Jinshan, Chapman To Man-Chak, Gordon Liu Chia-Hui

Cover-Quelle: movie.douban.com
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