Schlagwort: Chapman To Man-Chak

Film | The Twins Effect (Hongkong, 2003)

The Twins EffectDurch Hongkong stapfen Vampire? Ja, zum Beispiel in Form von Edison Chen. Aber keine Sorge, der ist harmlos und obendrein cool und gutaussehend. Kein Wunder, dass ihm bald die Schwester eines Vampirjägers zu Füßen liegt. Doch lohnt sich Dante Lams The Twins Effect auch für Zuschauer, die weder Edison noch das Girl-Pop-Duo Twins leiden können? Und was hat eigentlich Jackie Chan in dieser Actionkomödie zu suchen? (mehr …)

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Film | Love In Space (Hongkong, 2011)

Love In SpaceLiebe kann dir immer und überall passieren – in einem Café in Peking, mit einem Müllmann in Sydney, ja, sogar im Weltraum oder im Alter. Wing Shyas und Tony Chans romantische Komödie Love In Space erzählt die Geschichten einer Mutter und ihrer drei erwachsenen Töchter, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Ist das witzig? Ist das unterhaltsam? Ist der Hype berechtigt? Und: Ist das noch Hongkong? (mehr …)

Filmkritik | Eternal Moment (China, 2011)

Eternal MomentZugegeben—es klingt nicht gerade verlockend, einen Film zu sehen, der auf einer chinesischen Seifenoper von 1998 basiert, vor allem, wenn man die Serie mit dem schwülstigen Namen Cherish Our Love Forever nicht kennt und sich auch nicht für Liebesschnulzen in Serienform interessiert. Eine Fortsetzung in Spielfilmform klingt wie der plumpe Versuch, mehr als zehn Jahre später verzweifelten Fanservice zu betreiben, den Regisseur Zhang Yibai eigentlich gar nicht nötig hat. Nachdem ihm einst tatsächlich mit besagter TV-Serie der Durchbruch gelang, machte er sich doch mit Filmen wie Spring Subway oder The Longest Night In Shanghai einen Namen und wanderte dabei stets auf dem schmalen Grat zwischen Kommerz und Arthouse. Und genau dies tut er auch mit dem vorliegenden Werk Eternal Moment.

Zhang Yibai hat es geschafft, für sein Filmprojekt die einstigen Hauptdarsteller seiner Serie zu mobilisieren und so geschieht es, dass Xu Jinglei und Li Yapeng nach über zehn Jahren noch einmal in die Rollen von damals schlüpfen. Wieder spielen sie Wen Hui (Xu Jinglei) und Yang Zheng (Li Yapeng), gealtert in Echtzeit, und durchlaufen auch als reife Erwachsene noch einmal die Wirrungen der Liebe. Dies geschieht nun nicht in einer groß erzählten Geschichte, sondern in drei Episoden, die außer den gleichen Hauptfiguren nichts miteinander zu tun haben. Drei Was-wäre-wenn-Geschichten sozusagen, die völlig unterschiedlich geworden sind.

In der ersten Episode, die gleichzeitig die kürzeste und künstlerisch wertvollste geworden ist, sind Wen Hui und Yang Zheng seit Jahren verheiratet. Yang Zheng ist in seinem Job so erfolgreich, dass er seine Frau mit Luxus, einer eleganten Suite in Peking und einem Hausfrauenleben ohne Arbeit überhäufen kann. Als Yang Zheng eines Abends wegen einer von Wen Hui unangekündigten Party die Sportschau verpasst, nimmt er Reißaus und quartiert sich im gegenüberliegenden Hotel ein. Von dort beobachtet er seine Frau, die er nicht mehr wiederzuerkennen scheint, mit dem Fernrohr und wartet sehnsüchtig darauf, dass sie endlich nach ihm sucht. Was sie aber nicht tut, da sie ihrerseits darauf wartet, dass ihr Mann aus freien Stücken zu ihr zurückkommt. Die kleine Geschichte um ein Ehepaar, das sich im Laufe der Ehe voneinander entfremdet, hat es in sich. Nicht nur liegt der grotesk verzerrten Geschichte ein wahrer wie melancholischer Kern zugrunde, auch die Ausführung ist unglaublich sehenswert geworden. Zhang Yibai schwelgt in wunderbaren Bildkompositionen, eleganten Kulissen und Farben, was z.B. im Falle eines stilvollen Hotelgangs fast schon ein wenig an Wong Kar-Wais 2046 erinnert. Peking wird zum computeranimierten Farbenlabyrinth, wenn Yang Zheng völlig verwirrt in Zeitlupe über Autobahnbrücken springt oder auf Straßen herumirrt. Diese Andersartigkeit der Inszenierung zieht magisch an. Fast ist es ein wenig schade, dass diese erste Episode nach viel zu kurzer Zeit schon zu einem gelungenen Ende findet und Zhang Yibai dieses surreale Farbenspiel nicht in die folgenden zwei Episoden mit hinübernimmt.

Diesmal treffen sich Wen Hui und Yang Zheng also auf einem Klassentreffen nach vielen Jahren wieder. Beide hatten mit ihren Ehen kein Glück und Wen Hui muss ihre beiden Söhne in einfachen Verhältnissen in Shanghai alleine großziehen. Als die alten Klassenkameraden Wen Hui und Yang Zheng als das einstige College-Traumpaar dazu drängen, wieder miteinander anzubandeln, funkt es tatsächlich erneut zwischen den beiden verlorenen Seelen. In der einen Nacht, die Yang Zheng bleibt, bevor er wieder nach Peking zurückfliegen muss, soll es nun also zu Intimitäten kommen. Nur ist das gar nicht so einfach, denn die äußeren Umstände wie Baseballschläger-schwingende Grundschüler, ein abgeschleppter Hippie-Bus, Prostitutionsvorwürfe und ein eifersüchtiger Ex-Ehemann scheinen für Wen Hui und Yang Zheng nicht gerade günstig. Zhang Yibai erzählt diese Geschichte als beinahe leichtfüßiges Komödchen, das aber ebenso nachvollziehbare Dramaelemente aufweist, die einem zu Herzen gehen. Noch immer erzählt er seine Geschichte in tollen Bildern, nur eben bodenständiger als den surrealen ersten Teil.

In der letzten Episode geht es nach Frankreich. Wen Hui ist nun mit dem erfolgreichen Geschäftsmann Pan Xiao (Chapman To) verheiratet und lebt in einer romantischen französischen Villa. Als sie zufällig herausgefunden hat, dass ihr Mann sie mit der jungen Chu Chu (He Jie) betrügt, lädt sie diese zu sich ein, um mehr über die Geliebte zu erfahren, und gibt sich selbst dabei als Pan Xiaos Kollegin aus. Da Wen Hui bei Weitem nicht so stark ist, wie sie ihrer Umwelt vermitteln möchte, hat sie Yang Zheng, den sie seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hat, im Suff kontaktiert, der alles stehen und liegen lässt, um sie in Frankreich zu besuchen und ihr in ihren schweren Zeiten beizustehen. Diese Episode fesselt nun als psychologisch dichtes Drama vor superben Frankreich-Kulissen, angereichert mit zurückgehaltenen Emotionen und im Raum stehenden Entscheidungen, die ganze Leben verändern könnten.

Zhang Yibai gelingt es, seine Darsteller dazu zu bringen, auch die kleinsten Gesten mit subtilen Emotionen zu veredeln. Xu Jinglei kommt in der ersten Episode zwar etwas zu kurz, spielt dafür in den anderen beiden Geschichten so bemerkenswert intensiv ihre genialen Rollen, dass man kaum glauben mag, dass es tatsächlich genau sie war, die in der Büro-Romanze Go Lala Go! so enorm verblasste. Auch Li Yapeng liefert eine beeindruckende Performance ab. Die meiste Zeit bleibt er zwar eher defensiv, ist aber wunderbar im Kampf mit seinen Gefühlen verstrickt. Warum Wen Hui und Yang Zheng nach dem College auseinandergegangen sind, erfahren wir übrigens nicht. Wohl aber erfahren wir, wie es sein könnte, wenn sie als Paar zusammengeblieben wären oder sich nach vielen Jahren wieder über den Weg laufen. Einfach gestaltet sich das nie. Emotionen, falsche Entscheidungen und der Wandel der Zeit sind ein starker Gegner, gegen den sich offensichtlich nur schwer gewinnen lässt. Ob das die jungen Pärchen wissen, die zwischen den einzelnen Episoden ihre ganz persönlichen Statements zur ewigen Liebe abgeben?

Zhang Yibai überrascht mit seinem Episodendrama Eternal Moment mit künstlerisch anspruchsvoller Inszenierung, mit leisem Drama voll subtiler Gefühle und Melancholie, einem fabelhaften Soundtrack, realistischen bis surrealen Situationen und unglaublich intensiven wie wandelbaren Hauptdarstellern. Dass der Film auf einer 90er-Jahre-Serie basiert, ist schnell vergessen, auch wenn die ein oder andere kurze Rückblende noch einmal auf die einstige Serie verweist. Da dies aber passend und intelligent in den Film montiert ist, dürfte es kaum jemanden geben, der sich an der Grundlage des Filmes stören könnte. Trotz eingänglicher Bedenken ist Eternal Moment also ein absolut empfehlenswerter Film geworden, der mit das Beste sein dürfte, was China in den letzten Jahren in Sachen Romanzen auf den Markt gebracht hat. Schade ist es nur ein bisschen, dass die einzelnen Episoden so schnell vorüber sind. Sie alle drei nämlich—vor allem aber die letzten beiden Geschichten—hätten durchaus das Potential zur Spielfilmlänge gehabt.

© Shaoshi, 12. Februar 2012
8/10

将爱情进行到底 | Jiang Ai Qing Jin Xing Dao Di
China • 2011 • 102 MIN • DRAMA
Regie | Zhang Yibai
Drehbuch | Wei Shen, Xing Aina, Mou Xiaoya
Darsteller | Li Yapeng, Xu Jinglei, He Jie, Wang Xuebing, Chapman To Man-Chak, Cheng Yi, Cui Dazhi, Yue Xiaojun

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Cover-Quelle: movie.douban.com