Schlagwort: Kurzkritik

10 Mini-Filmkritiken

Leider habe ich momentan wenig Zeit für Rezensionen. Zum Glück habe ich herausgefunden, dass man im Home Office ganz wunderbar Filme nebenbei laufen lassen kann. Neben Schund, der einem nicht so wichtig ist, eignen sich besonders gut Filme, die keine große Aufmerksamkeit erfordern, d.h. z.B. Tanz- und Sportfilme. Meine Wahl fiel allerdings auch auf zwei bessere Streifen, die noch genauere Sichtung wert sind. Hier ein kurzer Überblick (vielleicht folgt bei Gelegenheit noch was Längeres zu manchen Filmen):


Kung Fu Hip Hop (Hongkong, 2008) – Den Anfang meines Marathons machte der Hongkonger Tanzfilm mit Jordan Chan. Der über 40-jährige ist zwar schon zu alt, um einen Jugendlichen zu spielen, kann aber immerhin tanzen. Der Film driftet mit dünner, altbewährter Handlung und seiner krampfhaften Coolness gelegentlich ins Lächerliche ab. Der Kung-Fu-Aspekt hätte nicht unbedingt sein müssen; außerdem wäre es schöner gewesen, bei Kampf und Street Dance auf gelegentliches Wirework zu verzichten und bodenständiger zu bleiben. Sonst sind die Tänze ganz ansehnlich. Wer mit »coolen« Jungs in weiten Hosen nichts anfangen kann, dürfte sich jedoch schwer tun. Ach ja, mit Hip Hop hat die Musik auch nicht immer was zu tun.

Kung Fu Hip Hop 2 (China, 2010) – Weil der erste Teil ein Erfolg war, wärmt China das Thema noch einmal auf, macht die Story noch dünner, rückt die Tanzszenen noch mehr in den Mittelpunkt und überzieht alles mit der üblichen Dosis China-Kitsch. Statt Kung-Fu gibt es (wenig kraftvollen) Parkour zu sehen, statt Hip-Hop-Gehopse darf’s schon mal klassischer sein und die Street-Dance-Szenen glänzen nicht immer mit Ästhetik. Der erste Teil – obzwar auch schon mittelmäßig – war da noch um Längen besser.

Fearless (China, 2012) – Chinesisches Jugenddrama rund um Breakdance. Für die junge Li Si ist Tanzen, Lieben und Leiden angesagt. Und Leiden ganz besonders, da die Macher wirklich nichts auslassen. Dadurch verliert der Film an Glaubwürdigkeit. Die Tanzszenen sind meist nur angerissen und die Optik ist mal wieder zu krampfhaft auf cool getrimmt. Von den drei Tanzfilmen, die ich gesehen habe, ist Fearless trotz des Drama-Overkills immer noch am interessantesten. Deshalb habe ich ihn auch zweimal gesehen.

Crazy Drift Temporary Daddy (China, 2012) – Offensichtlicher Low-Budget-B-Film aus China, der Komödie, das »Vater über Nacht«-Thema und Autorennen miteinander vereint. Muss man definitiv nicht gesehen haben. Schande über mich, die den handzahmen bis lahmen Stuss nun schon zweimal gesehen hat.

Racer Legend (China, 2011) – Im Grunde das Gleiche wie Speed Angels, nur mit Männern. Wenig realistisch wirkendes Autorenndrama um Sieg, Niederlagen, Unfälle und Beziehungskisten auf der Autorennbahn. Außerdem mit 08/15-Handlung, Eric Tsang als blondiertem Trainer und einem mäßigen CGI-Finale. Da war das auch schon schlechte Speed Angels fast noch unterhaltsamer.

Naked Soldier (Hongkong, 2012) – Actiontrash mit den üblichen Klischees, Schießereien und Schlägereien. Sauber produziert, aber man riecht schon meilenweit gegen den Wind, dass es sich um Schrott handelt. Das Thema Frauen mit Waffen, knappen Outfits und doofen Frisuren schreit ja geradezu danach. Fortsetzung der bekannten »Naked …«-Reihe, gemäß China-Zensurrichtlinien diesmal weniger »naked« als sonst.

Beach Spike (Hongkong, 2011) – Teenie-Schmonzette, bei der 90 Minuten lang im Bikini Beachvolleyball gespielt wird. Diese hohle Nabelschau mit bewährter 08/15-Handlung ist höchstens was für pubertierende Jungs.

The Wesley’s Mysterious File (Hongkong, 2002) – Den Film habe ich vor zehn Jahren schon mal gesehen und fand ihn damals mittelmäßig, aber lange nicht so schlecht wie die meisten anderen Zuschauer. Heute finde ich den Film um einiges schlechter als ich ihn in Erinnerung hatte. Der Film ist einer der seltenen Ausflüge Hongkongs in das Science Fiction Genre, das in allen Belangen durchfällt. Viel hohles Gerede (oft in schlechtem Englisch), wenig Action und langatmig im Tempo. Die San Francisco-Kulisse ist ganz nett, aber als Hongkong-Film kann man sich so trotzdem nicht im Westen anbiedern! Andy Lau, Rosamund Kwan und Shu Qi reißen es fürs heimische Publikum auch nicht mehr raus.

Und jetzt noch die zwei interessanteren Sachen:

Motorway (Hongkong, 2012) – Stylische, aber nicht makellose Milkyway-Produktion um Cops, Bösewichte und schnelle Autos – ein Konzept, das hier endlich auch einmal funktioniert, wenn man sich nicht für Autorennen interessiert. Den nehme ich definitiv noch mal genauer unter die Lupe!

The Detective (Hongkong, 2007) – Aaron Kwok sucht als Privatdetektiv eine vermisste Person und stößt dabei auf eine Reihe von toten Menschen und Elefanten. Optisch ansprechender wie packender Thriller der Pang-Brüder, den ich mir unbedingt noch genauer anschauen muss!

PS: Warum darf man eigentlich grundsätzlich nur an Wettbewerben mit Preisgeld teilnehmen, wenn man mit dem Gewinn die Arztrechnungen eines kranken Verwandten bezahlen würde?

Cover-Quelle: movie.douban.com

Rückblick | 12 Filme aus 2012

Ein Gutes hat es ja, in China zu wohnen: Man kann heimische Filme zeitnah sehen. 2012 habe ich immerhin zwölf Filme gesehen, die im selben Jahr produziert wurden. Darunter befinden sich ein Film aus Taiwan, zwei Filme aus Hongkong und neun China-Produktionen. Daraus den besten Film des Jahres zu küren wäre vermessen, da meine Auswahl gesehener Filme so gering und nicht repräsentativ ist, dass es unfair wäre, Lethal Hostage zum besten Film des Jahres zu erheben, nur weil ich sonst keine guten Filme gesehen habe. Von daher muss eine kurze Übersicht in alphabetischer Reihenfolge genügen und die Vermutung, dass Lethal Hostage der beste (chinesische) Film des Jahres sein könnte.

 

Believe In LoveBelieve In Love (China, 2012)
Model Zhao Yufei findet Designer Liu Zihao eigentlich voll doof, aber als sie Zeit mit ihm verbringen muss, ändert sie ihre Meinung. Schnell wird der eingangs noch lässige Modelfilm zur kitschtriefenden Romanze bar jeder Realität. Die extrem konstruierte Story zieht Konflikte an den Haaren herbei, nur um wenigstens ein bisschen Substanz vorgaukeln zu können, und die Figuren schaffen es trotz charakterlicher Blässe, sich unfreiwillig gegen ihre Natur zu verhalten. Eine wirklich entbehrliche Schnulze.
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Double TroubleDouble Trouble (Taiwan, 2012)
Arg konstruierte 08/15-Buddy-Komödie mit Jackie-Chan-Sprössling Jaycee Chan, der mit seinem unfreiwilligen Gefährten Xia Yu in Taiwan streiten und Kunsträubern sowie einem Reisebus hinterherjagen muss. Die üblichen Klischees, platte Action und das nicht allzu kreative Zusammenspiel des ungleichen Duos machen die Actionkomödie zwar teilweise ganz amüsant, aber mit einem IKEA-Katalog kann ich mich trotzdem besser unterhalten.
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Happy HotelHappy Hotel (China, 2012)
Im Happy-Hotel geht alles drunter und drüber! Lösegeldübergaben, Affären, geheime Termine mit Schönheitschirurgen, ein eventuell toter Koreaner und die Jagd nach einer Tasche voll Geld—klingt turbulent und spaßig, wenn auch oberflächlich und nicht sonderlich nachhaltig. Genau das ist die Komödie auch—witziges, pointiertes Popcornkino für die ganz Unbedarften. Ziemlich unterhaltsam, allerdings.
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Holding LoveHolding Love (China, 2012)
Obwohl Mini Yang und ATV-Schönling Hawick Lau gerade eine Blitzscheidung hinter sich haben, nehmen sie ihre Flitterwochenreise ins exotische Sanya wahr, wo Mini Yang prompt entführt wird. Ein fingiertes Spiel! Exotische Kulissen von Chinas Mallorca-Pendant Hainan können nicht verbergen, dass die Komödie mit jeder Minute belangloser wird. Logiklöcher und das verpatzte Erzähltempo nerven ebenfalls. Auf der kommerziellen Ebene funktioniert der Film allerdings: Ich hätte jetzt Lust auf eine Reise nach Sanya.
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I DoI Do (China, 2012)
Sun Honglei und Duan Yihong buhlen um die Gunst von Li Bingbing. Dass ich den Liebesfilm zum Jahresende schon fast wieder vergessen habe, ist kein gutes Zeichen. Ich habe diese ewigen Dreiecksbeziehungen einfach satt und fühle mich durch aufdringliches Product Placement und Luxus-Setting, wie es fürs neue China-Kino leider so typisch ist, gestört. Die wenig überzeugend gescripteten Figuren und die üblichen Versatzstücke machen die Chose auch nicht besser. Ist die RomCom romantisch und witzig? Ein bisschen, was aber hauptsächlich an Sun Hongleis herrlich trockenem Spiel liegt.
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Lethal HostageLethal Hostage (China, 2012)
Der superb besetzte Thriller um einen Drogendealer (schon wieder Sun Honglei) und seine Liebe zu seiner Geisel ist für mich der Gewinner des Jahres. Brutal, konsequent und packend in Szene gesetzt. Obendrein gefällt der Film auch noch mit seiner Optik und intelligenter Erzählweise. Die Location an der Grenze zu Burma hätte außerdem nicht besser gewählt werden können.
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Million Dollar CrocodileMillion Dollar Crocodile (China, 2012)
Löblich: Die Chinesen versuchen sich mal an einem ganz anderem Genre, dem Monsterfilm. Nicht so löblich: Über das übliche Gedöns eines US-B-Films kommen sie dabei nicht hinaus. Immerhin ist der Streifen nicht nur für Trash-Fans unterhaltsam: Eine rasante Erzwählweise, eine hysterische Barbie Hsu, ein Riesenkrokodil in Hangzhou und ansehnliche Optik machen den Film unterhaltsam. Letztendlich bleibt der Monsterstreifen aber zu harmlos. Die einzige Überraschung war für mich die prompte deutsche DVD-Auswertung.
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Love On That DayLove On That Day (China, 2012)
Thai-Chinese Mario Maurer sucht vor romantischer Tianjin-Kulisse nach seinem verschollenen Vater und verliebt sich. Typische Teenie-RomCom mit Taiwan-Flair, obwohl wir es hier mit einer waschechten Festlandproduktion zu tun haben. Der Humor ist erfrischend, wenn auch plump und der Film von vorn bis hinten perfekt auf Teenies zugeschnitten. Genau dieses Teenietum sorgt aber auch dafür, dass man den Film als Erwachsener nicht ernst nehmen kann, zumal er viel zu oberflächlich und naiv die Probleme seiner Protagonisten behandelt.
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Shadows Of LoveShadows Of Love (Hongkong, 2012)
Uninspirierte Doppelgängerinnen-RomCom, mit der sich Cecilia Cheung keinen Gefallen tut. An der Seite von Kwon Sang-Woon wird das Mädel von nebenan ins Leben der Reichen und Schönen eingeführt und verliebt sich prompt. Die üblichen Versatzstücke sorgen für handlungs- und spannungsarmes Geplänkel, das weder unterhält noch interessiert. Vom einstigen Hongkong-Flair ist hier nichts mehr übrig. Die RomCom sieht sich wie die hundertdrölfzigste RomCom vom Festland. Echt übel.
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That Year School EndedThat Year School Ended (China, 2012)
Und noch einmal geht’s auf Chinas Ferieninsel Hainan, wo die Schüler einer Kunstakademie kurz vor ihrem Abschluss stehen, sich aber trotzdem wie pubertäre Teenies verhalten. Weltfremd, naiv, oberflächlich, anspruchslos, lustlos, fade, uninspiriert sind nur einige Adjektive, die mir spontan für eine Beschreibung in den Sinn kommen. Selbst wer sich sonst auch mit schlechten Filmen amüsieren kann, dem wird es hier schwer fallen. Zu öde ist das Gesamtwerk. Der schlechteste Film des Jahres? Vielleicht. Zumindest aber einer der schlechtesten Filme, die ich 2012 gesehen habe.
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The Kung Fu MasterThe Kung Fu Master (China, 2012)
Klassisch aufgezogener Eastern um einen historischen Martial-Arts-Helden. Die traditionelle Erzählweise, mittelmäßige Kampfszenen und die aus bekannten Versatzstücken zusammengestümperte Story reichen im neuen Jahrtausend nicht mehr für ein unterhaltsames Filmvergnügen. Dünn, uninspiriert – einfach auf ganzer Linie enttäuschend. Mein ausführlicher Verriss wird in Kürze folgen.

 

 

The Viral FactorThe Viral Factor (Hongkong, 2012)
Nicholas Tse und Jay Chou sind erwachsen geworden und spielen ein ungleiches Brüderpaar, das im Kugelhagel von Dante Lams Actionthriller arg ramponiert wird. Die Story um einen tödlichen Virus, die praktisch nur von Zufällen zusammengehalten wird und auch sonst nicht immer die logischste ist, geht einem auf die Nerven, aber die Umsetzung ist so explosiv, rasant, statistenverschleißend und fesselnd, dass dem durchschnittlichen Actionfan die Handlung sowieso egal sein dürfte. Das Flair ist zwar mehr international denn Hongkong, aber immerhin: ein sehenswerter Actionthriller aus der einstigen Actionhochburg. Meine ausführliche Rezension folgt in Kürze.